La fiesta „Virgen de las Nieves“

Erschienen am 10. September 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Carina Becker

Carina Becker

Carina Becker arbeitet zur Zeit als Freiwillige in dem Adveniat-Projekt "Hogar de Cristo" in Ecuador.

 

¡Hola amigos!

Ich wohne mit meiner Gastfamilie in Guayaquil, an der Küste Ecuadors. Meine Gasteltern kommen jedoch aus der „Sierra“ (Gebirge), weiter nördlich. In dem Heimatdorf meiner Gastmutter wird den ganzen August über das Marienfest „Virgen de las Nieves“ (etwa Jungfrau des Schnees) gefeiert. Den gesamten Monat über finden Festgottesdienste, Paraden oder Tänze statt.

Am vergangenen Augustwochenende, das den Höhepunkt des Festes darstellt, haben wir das Dorf besucht.

Von der Stadt aufs Land

Nach nur vier Stunden Fahrt mit dem Auto waren wir in dem Ort nahe Riobamba. Auf knapp 3000 Metern Höhe herrscht ein komplett anderes, kühleres Klima als an der heißen Küste. Man kommt sich vor wie in einer anderen Welt. Flora und Fauna sind ganz anders, statt Palmen sieht man Eukalyptusbäume und Pinien. Zwischen den Zweigen kann man Kolibris entdecken.

Nicht nur die Natur ändert sich, auch die Kultur ist eine andere als in Guayaquil. Viele Menschen tragen Ponchos und Hüte und sprechen ein wenig anders als in der Großstadt.

Am Samstagvormittag ziehen traditionell Musikerinnen und Musiker von Haus zu Haus und erfreuen die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner mit Blaskapellenmusik. Am Nachmittag werden Spiele auf dem Dorfplatz veranstaltet. Beispielsweise werden Gegenstände auf dem Platz verteilt und alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich mit verbundenen Augen ins Getümmel stürzen und die Geschenke wie Shampoo oder Salz ergattern. Mutige können sich zum Schweinefangen melden und die Sau, bei Erfolg, mit nach Hause nehmen.

Tanzende Kühe und Türme

Am Abend wird jedes Jahr ein großes Feuerwerk veranstaltet. Das Spektakel beginnt mit der „Vaca Loca“, der verrückten Kuh. Eine als Kuh verkleidete Tänzerin oder ein verkleideter Tänzer dreht wilde Runden um den Dorfplatz. Dabei sprühen Funken aus der selbstgebastelten Pappverkleidung. Das „Castillo“ (Burg) stellt einen Höhepunkt des Spektakels dar. Der große Turm sprüht bunte Funken und dreht sich. Nach einem kleinen Feuerwerk am Himmel, haben wir ausgelassen bis spät in die Nacht zur Folkloremusik getanzt.

Nach dem Gottesdienst am nächsten Morgen, begann eine Prozession mit der Marienfigur in das Nachbardorf Cajabamba. Von dort wurde ein Umzug mit Tänzen und Musik auf den Dorfplatz veranstaltet. Ich durfte mit einer Tante meiner Gastfamilie mitlaufen und hatte dabei viel Spaß.

Anschließend führten viele Tanzgruppen ihr Programm in traditionellen Kostümen auf. Das geplante Stierrennen am Nachmittag musste leider abgesagt werden, weil es plötzlich zu regnen anfing.

Delikatessen

Zurück im Haus der Eltern meiner Gastmutter, versammelte sich die Großfamilie zum Festessen. Mit allen sieben Geschwistern und ihren Familien wird traditionell Meerschweinchen gegessen. Die Delikatesse kommt zu besonderen Anlässen auf den Tisch. Zunächst war ich etwas geschockt, weil ich die Tiere im Stall am Vortag noch gestreichelt hatte. Das Fleisch schmeckt sehr zart und wird mit Kartoffeln serviert. Die Familie ist sehr aufgeschlossen und ich bin mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen.

Es ist toll, die Andenkultur durch meine Gastfamilie hautnah mitzubekommen und ein Jahr, Teil der Familie sein zu dürfen!

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