Abenteuer World Scout Moot

Erschienen am 15. November 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Magdalena Annerbo

Magdalena Annerbo

Maggie Annerbo, 23 Jahre, ist Pfadfinder-Leiterin im Bezirk Siebengebirge. Sie interessiert sich besonders für die interkulturelle und internationale Zusammenarbeit der Pfadfinderverbände weltweit.

 

Vom 25.07. bis 02.08.2017 durfte ich Teil einer Begegnung sein, an die ich mich bestimmt noch viele Jahre erinnern werde. Für das 15. World Scout Moot (WSM) reisten mit mir 5.123 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus 106 Ländern nach Island. Island ist ein Inselstaat, der in etwa so viele Einwohner hat, wie meine Heimatstadt Bonn. Ansonsten kann man das Land, die Leute und besonders das große, internationale Pfadfinderlager an sich aber kaum mit etwas anderem vergleichen.

Zwei Jahre

Der Wunsch, eine „internationale Pfadfinderin“ zu sein, hat sich bei mir in den letzten Jahren immer mehr verstärkt. Die erste Gelegenheit ergab sich durch einen internationalen Woodbadgekurs, an dem ich Ende 2014/Anfang 2015 teilgenommen habe. Einige der Leute, die ich dort kennengelernt habe, überzeugten mich, über Ostern zu einem großartigen, ebenfalls internationalen Pfadfindertreffen namens IMWe zu kommen. Und dort habe ich das erste Mal von dem WSM in Island gehört. Obwohl es noch über zwei Jahre bis dahin waren, stand für mich sofort fest, dass ich daran teilnehmen möchte. In meinem Zimmer hingen schon bald mehrere Werbeposter und -postkarten. Ich fing an, Geld zu sparen, denn internationale Begegnungen sind teuer. Damit auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus ärmeren Familien und Ländern teilnehmen können, bezahlen die reicheren Länder einen höheren Beitrag und ermöglichen damit allen die Teilnahme. Das ist natürlich ein super Konzept, war aber für mich als Studentin auch eine Herausforderung.

Gut geplant …

Im März 2017 fand in Westernohe ein Vorbereitungswochenende der DPSG-Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das WSM statt, bei dem man sich austauschen konnte und ein paar neue Infos bekanntgegeben wurden. Daneben erfuhr man die meisten Neuigkeiten per Mail, über den WSM-Newsletter, die Website oder über Social Media. Besonders cool war die Moot-App, die neben nützlichen Infos auch Lagepläne, Liedtexte, Spiele und viel mehr enthielt.

Überall Pfadfindende

Die letzten Monate vor dem WSM vergingen wie im Flug. Plötzlich war der Tag der Abreise gekommen. Zusammen mit Vera, vom VCP, machte ich mich am 22.07. zum Düsseldorfer Flughafen auf. Nach ca. 3,5 Stunden Flug, kamen wir dann in Keflavik an, wo es bereits die erste schöne Überraschung gab: als wir bei Joe and the Juice ein Sandwich kaufen wollten, bekamen wir 30% Pfadfinderrabatt! So hätte es gerne weitergehen können, denn Island ist wirklich ein sehr teures Land. Gestärkt machten wir uns dann am frühen Abend auf den Weg zu Islands Hauptstadt Reykjavik. Die drei Tage und Nächte bis zur offiziellen Eröffnungsfeier verbrachte ich in Reykjavik bei einem Freund. Tagsüber lief ich durch die Stadt, machte Touren ins Umland zu den bekannten Geysiren und Wasserfällen, kaufte kleine Souvenirs und bekam einen ganz guten Eindruck von der Hauptstadtregion, die insgesamt wirklich schön und spannend ist. Dabei begegnete man einfach überall anderen Pfadfinderinnen und Pfadfindern, die man an den unterschiedlichen Halstüchern erkennen konnte. Ganz Reykjavik war voll von ihnen und es war cool zu sehen, wie sich alle ganz selbstverständlich grüßten und über ihre Herkunft austauschten.

Endlich: der Start!

Am 25.07. ging um 8:00 Uhr morgens im Olympiastadion in Reykjavik die Registrierung los und um 10:00 Uhr das feierliche Eröffnungsprogramm. 5000 Leute drängelten sich mit ihrem Gepäck in die Hallen, bekamen noch diverse Dinge von den Kontingentsleitungen ausgeteilt und fanden schließlich einen Sitzplatz. Neben den Organisatorinnen und Organisatoren und ein paar Schirmherren hielt auch Joao Armando Goncalves, Chairman des World Scout Committee, eine Rede, wünschte allen viel Spaß und dass man die positive Veränderung spürt, die ein solches Pfadfindertreffen bewirkt. Das Motto des 15. WSM war nämlich „change“.

Sonnenbrand in Island?

Während der ersten vier Tage waren alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in zwölf unterschiedlichen Expedition Centers untergebracht. Meins war nicht weit von Reykjavik entfernt, in der bekannten Stadt Hveragerdi. Dort zelteten wir mit ca. 400 Leuten, kochten zusammen in Gruppen á 40 Personen und hatten ein abwechslungsreiches Programm. Über die Aktivitäten konnte man schon Monate vor dem Moot abstimmen, musste sich allerdings mit seinem Patrol einigen. In meinem Patrol waren außer mir noch ein anderer Deutscher, zwei Brasilianerinnen, zwei Österreicherinnen, eine Australierin, eine Mongolin, eine Polin und ein Kanadier. Wir hatten schon seit Anfang des Jahres die Möglichkeit, uns über eine WhatsApp-Gruppe kennenzulernen und auszutauschen. In Island konnten wir uns dann zum ersten Mal „live“ sehen und freundeten uns schnell an. Das Highlight war für uns alle das Bad in einem heißen Fluss. Das Wetter war sehr sonnig und einige von uns bekamen erstmal einen dicken Sonnenbrand – in Island, wer hätte das gedacht? Außerdem erkundeten wir in den Tagen in Hveragerdi die tektonischen Gegebenheiten der Region, sahen viele kleine Geysire und pflanzten Bäume rund um ein Fußballfeld.

Buntes Treiben

Der zweite Teil des WSM war dann das große Lager in Úlfljótsvatn mit allen 5.123 Pfadfinderinnen und Pfadfindern zusammen. Dorthin wanderten wir einen Tag lang von unserem Expedition Center aus, was sehr anstrengend, aber auch wahnsinnig schön war und sich auf jeden Fall gelohnt hat. Schon von weitem konnte man die bunte Zeltlandschaft sehen, die am Ufer eines Sees aufgebaut worden war. Neben den vielen kleinen Schlafzelten gab es einige große Zelte zum Kochen, Einkaufen oder einfach zum Feiern. In einigen Zelten präsentierten sich auch einzelne Länder, Organisationen, zukünftige Pfadfindertreffen usw. Es war überall viel los und wir brauchten ungefähr einen ganzen Tag, um uns auf dem Platz zurechtzufinden. Das Programm der nächsten Tage fand auf dem gesamten Gelände statt und war sehr vielfältig: von kreativen Bastelworkshops über aktive Spiele bis hin zu bewusstseinsstärkenden Aktionen (z.B. zu Umwelt, Geschlechtern, Politik, Religion usw.). Man hatte sehr viel Freiheit und sehr viele Möglichkeiten, was zu spannenden, aber entspannten Tagen führte. Abends fanden in der Arena Konzerte, Partys oder kreative Angebote statt, die immer sehr schön und gut besucht waren.

Tränen zum Abschied

Die Zeit verging natürlich wie im Flug und schon viel zu schnell stand die Verabschiedungszeremonie an. Es wurden Fotos und Videos gezeigt, gemeinsam gesungen und gelacht, Dankesreden gehalten und Abschiede bedauert. Besonders der Abschied innerhalb meines Patrols fiel allen sehr schwer und viele hatten Tränen in den Augen. Nach vielen Umarmungen ging es für mich schon bald zum Flughafen, von dem aus ich Island morgens um 6:00 Uhr verließ, zumindest für dieses Jahr.

Tolle Erfahrung

Teil des WSM 2017 zu sein hat sich ganz besonders angefühlt, nicht zuletzt, weil man so viel gelernt hat. Es war immer auch ein bisschen anstrengend, aber alles in allem eine tolle Erfahrung mit vielen tollen Menschen. Ich habe ein spannendes, wunderschönes Land kennengelernt, das man einfach nicht mit anderen Ländern vergleichen kann und werde auf jeden Fall wiederkommen.

Vor allem habe ich aber wieder einmal gemerkt, dass die Pfadfinderbewegung einfach die beste Bewegung der Welt ist und wir eine Gemeinschaft sind und haben, um die man uns nur beneiden kann.

 

World Scout Moot (moooooooot) 2017 – takk fyrir!

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