„Es geht nicht darum, die Welt zu verändern!“

Erschienen am 22. Dezember 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Moritz Bührmann

Moritz Bührmann

Moritz Bührmann aus Oldenburg ist 18 Jahre alt und verbringt zur Zeit ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien.

 

Eine dumme europäische Idee

Warum wollte ich hierhin? Ich wollte helfen, was verändern, wirklich was bewegen! Was war das nur für eine dumme europäische Idee! Der kleine 18-jährige Junge, der in ein ihm komplett fremdes Land reist, um dort die Welt zu verbessern, ohne viel Ahnung von der Kultur, den Menschen und der Sprache zu haben! Aber ich bin ja Europäer – ich kann das schon!

Planlos

Der Satz „Es ist ein Lerndienst, keine Entwicklungshilfe“ wurde uns in jedem Vorbereitungsseminar gefühlt mindestens zehn Mal gesagt. Trotzdem bleibt wohl, bis man hier hinkommt ein Rest von der Idee im Unterbewusstsein, im Hinterkopf, das man hier was verändern kann. Nach zwei Wochen stellt man dann fest, dass man hier in der neuen Umgebung keinen Plan hat, wie man sich verhalten soll.

Wie soll ich hier denn irgendwas bewegen?

Ich verstehe die Kinder nicht, die in einem viel zu schnellen Spanisch, mit Akzent, nuschelnd irgendwas von mir wollen. Ich habe keinen Plan, was ich hier essen kann und worum ich lieber einen Bogen machen sollte – nach einer Woche Gastroenteritis, mit 40° Fieber. Und wie soll ich von A nach B kommen, mit den tausenden verschiedenen Verkehrsmitteln, die alle ihre eigenen Preise und Regeln haben. Wie soll ich hier denn irgendwas bewegen?

Es wird einem dann relativ schnell klar, dass man hier nichts ändern kann und wird. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Letztendlich sind wir nur Gäste in einem fremden Land, einer fremden Kultur, die so freundlich ist, uns mit offenen Armen aufzunehmen.

Aber was machen wir dann hier?

Ist das wirklich nur ein Programm, das lustige Erfahrungen zu jungen Erwachsenen bringt? Natürlich nicht. Man merkt schnell, was für eine Beziehung die Kinder zu einem aufbauen. Sie freuen sich einen zu sehen, weil man ihnen einfach neue Erfahrungen bereitet und sich Zeit für sie nimmt, die ihre Eltern leider häufig nicht haben. Weil man ihnen bei den Hausaufgaben hilft, um danach mit ihnen ne Runde zu kicken. Weil man mit den Kindern basteltet und ein Lego-Raumschiff baut. Es geht nicht darum, die Welt zu verändern! Es geht darum, mit den Kindern eine gute Zeit zu haben und ihnen eine gute Zeit zu bereiten.

Das ist alles was hier zählt.

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