Höhlenbesuch mit Hindernissen

Erschienen am 8. Dezember 2017 in Abenteuer Pfadfinden

Madita Alena Bünnecke

Madita Alena Bünnecke

Madita Bünnecke aus Dortmund ist 18 Jahre alt und verbringt ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika.

 

Früh am Sonntagmorgen brachen mein Gastbruder und ich auf. Kleidung und Schuhe die dreckig werden dürfen hatten wir an. Außerdem hatten wir Rucksäcke dabei, in denen Proviant, Stirnlampen und Wechselkleidung zu finden waren.

Auf dem Weg ins Echo Valley in Kapstadt, holten wir noch zwei der Pfadfinder ab die mit uns die „Robin Hood“-Höhle, eine der vielen Höhlen der „Kalk Bay Caves“, erkunden wollten.
Dort angekommen erwartete uns ein tolles Panorama, sechs weitere Scouts und eine Absage vom dritten erwachsenen Begleiter.

Mal bergauf – mal kriechend

Trotzdem ging es nun los und an die erste Etappe: den Berg erklimmen, um erstmal zu der Höhle zu kommen.
Unter blauem Himmel und brütendem Sonnenschein wanderten wir also im Gänsemarsch den Berg über einen kleinen Trampelpfad hinauf.
Über eine Stunde marschierten wir dabei durch die schöne Landschaft, immer bergauf und begegneten den ein oder anderen Leuten dabei.

An der Höhle angekommen, wurden Ärmel und Hosenbeine mit Gummibändern fixiert, damit auch nichts dort hinein gelangen konnte!
Die Höhle kann man vermutlich nicht einmal Höhle nennen, wir ließen uns mehr in ein Wirrwarr aus engen Höhlengängen herunter.
Nicht umsonst wurde der Eingang der Höhle „The Narrows“ gennant.
Einer nach dem anderen haben wir uns kopfüber in einen abfallenden winzigen Tunnel begeben. Es hatte an den Tagen zuvor geregnet, überall tropfte es und auf dem Boden war der reinste Matsch, den wir nun mit unseren Shirts schön auffangen konnten!
Kriechend und nur mit dem spärlichen Licht unserer Kopflampen arbeiteten wir uns Stück für Stück weiter vor bis wir matschig und durchnässt endlich an eine Stelle gelangten, an der wir wieder stehen konnten. Mein Gastbruder war immer der Erste, ich bildete immer das Schlusslicht. So fanden wir unseren Weg und keiner konnte zurück bleiben.

Wachshände

Madita beim Mittagessen in der Haupthöhle.

Das erste Stück war geschafft. Unsere Energie, unser Enthusiasmus und Entdeckergeist waren geweckt und so gingen wir mutig an den nächsten Abschnitt.
Eineinhalb Stunden krochen, kletterten und quetschten wir uns weiter durch die Höhle, bis wir endlich in der großen Haupthöhle angekommen waren.
Dort machten wir unsere Mittagspause und jede und jeder knabberte an ihrem oder seinem Proviant. Wir entzündeten einige Kerzen, um ein wenig hübsches Licht zu haben und ließen ein paar Kerzen dort, für weitere Besucher. Unglaublich wie viel Spaß man mit Kerzen haben kann, dachte ich mir, als sich die Hälfte der Jungs Wachs auf die Hände tropfen ließ um Wachshände zu bekommen. Einige erkundeten dann in kleineren Grüppchen noch die angrenzenden Tunnel, bevor es wieder auf den Rückweg ging.

Der Rückweg kam uns viel kürzer vor als der Hinweg, war aber nicht minder schwierig zu bewältigen. Besonders, weil wir schon die Erschöpfung fühlten.
Trotzdem kamen wir schnell und ohne Zwischenfälle wieder an den „Narrows“ an. Wir wussten, jetzt waren es nur noch wenige Meter bis zum Ausgang.
Einer nach dem anderen kroch ins Freie, bis schließlich nur noch ich und zwei der Jungs unten waren.

Spaß mit Wachs

Festgesetzt

Einer der Jungs hatte etwas mehr Gewicht als die anderen. Das hat ihn jedoch nicht gehindert und er war super motiviert, die Höhlentour zu meistern. Jedoch kurz vor dem Ausgang, an einer besonders engen Stelle, kam er nicht durch. Es war an einigen Stellen schwierig gewesen, wir machten uns nicht allzu große Sorgen und motivierten ihn es weiter zu versuchen. Mit fortschreitender Zeit wurde der zweite Pfadfinder, der noch mit mir unten wartete, zunehmend nervöser. Er hatte außerdem seinen Finger, bei dem Versuch zu helfen, verletzt. Also ließen wir ihn durch und auch er kam nach draußen.

Nun blieben nur noch ich und Herr „Ich passe nicht durch“. Wir versuchten es auf jede Art. Kopf zuerst, Füße zuerst, Kopf zum Boden gerichtet, Kopf zur Decke gerichtet und sogar ohne Hose! Aber es ging einfach nicht. Ich schob wie verrückt. Mein Gastbruder zog wie verrückt und der arme Junge kämpfte sich Zentimeter für Zentimeter nach vorn, doch es blieb erfolglos.

Panik machte sich bei uns unten breit. Ich versuchte ihm immer wieder zu sagen, wir würden ihn heraus bekommen, er solle sich keine Sorgen machen. Und ich würde solange dort unten bleiben bis er draußen wäre. Ich würde ihn nicht alleine lassen. Die einzige Lösung die uns noch einfiel, war einen anderen Weg zu nehmen. Mein Gastbruder kennt auch von einem anderen Weg, der allerdings ebenfalls sehr eng ist und zusätzlich auch noch gefährlich.

Trotzdem wollten wir es wagen und kamen tatsächlich durch alle engen Stellen. Gefährlich wurde es dann, als wir über tiefe Löcher klettern mussten und uns als einzige Hilfe kleine, nasse und rutschige Felsvorsprünge dienten. Doch wir alle, vor allem unser Pfadfinder, meisterten diese Aufgabe mit Bravour.

Die engen Gänge der Höhle.

Endlich wieder Tageslicht

Endlich sahen wir das Tageslicht wieder, es wurde hell und warm und wir konnten unsere schmutzigen Gesichter begutachten. Durch diese „Rettungsmission“ hatten wir ein wenig Zeit verloren und mussten nun den Berg im Eiltempo heruntersausen, damit die Eltern nicht auf uns warten mussten.

Es gab Momente in denen Herr „Ich passe nicht durch“ sich schon als Geist durch die Höhle spuken sah, wie er mir später erzählte. Aber er versicherte mir, er habe keine Angst vor Höhlen und er würde auch wieder welche erkunden. Jedoch vermutlich nur solche, bei denen er sicher sein kann, dass er auch überall durchpasst!

 

Eine Vorstellung von der beschriebenen Höhle bekommt ihr in den Videos.

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