Siyabonga weBP, siyabonga weBP!

Erschienen am 14. März 2018 in Abenteuer Pfadfinden

Lisa-Marie Schermuly

Lisa-Marie Schermuly

Lisa-Marie aus Essen ist 19 Jahre alt und ist als Freiwillige für ein Jahr in Südafrika.

 

Am 22. Februar ist ,,Thinking Day“- an diesem Tag gedenken Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf der ganzen Welt ihrem Gründer Baden Powell. Um seinen Geburtstag herum, finden hier in Mpumalanga Wochenendcamps statt. Die sogenannten „BP Camps“ werden in den sechs Distrikten organisiert. Thomas mein Mitfreiwilliger und ich haben das Camp in Nkomazi, der Ostspitze Südafrikas mitbegleitet. Freitagmittag sind wir dann aufgebrochen.

Camperöffnung

Nach einer guten Autostunde hatten wir den Zeltplatz erreicht, ein ganz naturbelassenes Plätzchen mit zahlreichen Schatten spendenden, weidenartigen Bäumen und Aloe-Vera-Gewächsen. Die Zelte waren schon fast alle aufgeschlagen. Wir haben nur noch schnell die Lagerküche eingeräumt, bevor dann so nach und nach die Kinder eingetrudelt sind. Sie werden direkt an den Schulen, von Minibussen (den sogenannten Taxis) eingesammelt. Tanzend und mit lauter Musik sind sie jubelnd auf den Zeltplatz gerollt. Wir haben 80 erwartet, am Ende waren wir aber über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Eine besondere Überraschung bereitete uns nämlich internationaler Besuch von einer Pfadfindergruppe aus Swasiland. Nachdem sie die Zelte bezogen haben und registriert waren, wurde das Camp feierlich mit einem „Flagbreak“ eröffnet. Dabei steht man im Karree. Es folgt eine militärische Schrittfolge und dann wird das Banner (eine Fahne) am Mast gehisst. Nach einer kurzen Ansprache und Vorstellungsrunde der Leiterinnen und Leiter, ging es dann zum Abendessen. Die Sonne war nun schon untergegangen und die Mägen der Kinder hingen ihnen bereits auf den Knien. Der Programmpunkt wurde auf den nächsten Tag verschoben, weil sich nun die Müdigkeit ausgebreitet hatte. African Time!

Jahresaktion

In den Camps wird schon früh in den Tag gestartet. Die Kinder verlassen bereits um 5 Uhr ihre Zelte, nach einer kalten Dusche räumen sie auf (Chicken Run) und im Anschluss kommt die „Morning Exercice“, also ein bisschen körperliche Betätigung. Nach dem Frühstück wurde mit dem ersten thematischen Impuls gestartet. Das Motto der Jahreskampagne lautet „Against Child and Women Abuse and Human Trafficking” (Gegen Kinder- und Frauen-Misshandlung und Menschenhandel). In drei Gesprächskreisen haben wir die Kinder also für diese Themen sensibilisiert. Das war trotz Präventionsschulung gar nicht so einfach!

Nach der Mittagspause wurde dann das Nachmittagsprogramm gestartet. Ein Geländespiel war vorbereitet. Das kann man sich ein wenig so vorstellen wie „Capture the Flag“ oder „Räuber und Gendarm“. Im Kreis haben sich noch weitere Singspiele angeschlossen. Die Kinder waren unermüdlich und dass, obwohl es so heiß war!

Währenddessen wurde Holz für ein großes Lagerfeuer aufgeschichtet. In der Dämmerung sind wir dann alle zusammengekommen. Gemeinsam mit drei Mädchen durfte ich das Feuer eröffnen. Das war eine große Ehre. Wir sind aus den vier Himmelsrichtungen in die Mitte des Kreises getreten und haben das Holz an den verschiedenen Ecken entzündet. Als die Flammen dann loderten und in die Höhe schnellten, wurde „Campfire is Burning“ angestimmt.

„Wir danken für BP“

Es wurde viel gesungen, meistens traditionelle Lieder auf SiSwati, dem örtlichen Dialekt, dazu wurde rhythmisch getanzt. Das Lied, das mir am besten gefallen hat war eine Hommage an Baden Powell. Sie haben „Siyabonga weBP“ gesungen ­– also „Wir danken für BP“. Das hat mich wirklich sehr gerührt! Dann sind kleinere Gruppen zum Feuer getreten und haben Sketche, Gedichte und Lieder vorgetragen, in denen sie sich mit dem Kampagnenthema auseinandergesetzt haben. Zur Feier des Tages gab es Aufgusskakao.

Als nur noch die Glut übrig war, wurde zu Abend gegessen. Es gab natürlich Pap (ein Maismehlbrei), Chakalaka (ein Gemüse-Curry) und dazu Hühnchen (das inoffizielle Nationalgericht). Nachdem nun schon letzten Abendessen, wurde das Programm vom vorherigen Abend nachgeholt: eine „Talentshow“.  Zeitgenössische Musik wurde voll aufgedreht, sodass die Boxen nur so dröhnten und die Kinder haben wild durcheinander getanzt. Wer einen besonders außergewöhnlichen Tanzstil hervorbrachte, wurde in die Mitte gebeten und bejubelt. Besonders spannend war für mich die Tanzeinlage der Swazis. Sie haben einen ganz traditionellen ,,Sibhca“ vorgeführt, bei dem die Beine in die Luft geflogen sind! Dazu haben sie alte Stammeslieder gesungen. Der bunte Abend ist noch so ausgeklungen, bis dann alle in ihre Zelte geschlurft sind.

Die Zeit verfliegt …

Am nächsten Morgen wurden nach einem Morgenapell des stellvertretenden Chief Scouts (zweithöchste Instanz bei den Scouts South Africa), die Sachen gepackt und die Zelte abgebaut. Wir haben uns für einen spirituellen Impuls im Steinkreis eingefunden. Aus vollen Kehlen wurden Gospelsongs gesungen. Zum Abschluss wurde noch das Banner wieder eingeholt und salutiert. Damit war das Camp offiziell geschlossen. Wir haben noch ein bisschen aufgeräumt und gewartet, bis die Kinder wieder von den Taxis abgeholt worden sind. Da noch Zelte zurück zum Scout Center nach Nelspruit (unserem Heimatort/unserer Einsatzstelle) transportiert werden mussten, hatten wir eine gute Mitfahrgelegenheit. Wir sind einfach auf der Ladefläche des Bakkies (Afrikaans für Pick-up) mitgefahren. Das ist hier so üblich 😊. Das war ein wirklich wunderbares Camp, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird! Siyabonga weBP!

 

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