Biber-Leitung: Frage 7

Erschienen am 9. Mai 2018 in Biber

Persephone Karipidou

Persephone Karipidou

Persephone Karipidou (Persy) ist beim Stamm Wikinger in Esslingen als Biber-Leiterin aktiv. Dort begeistert sie seit zehn Jahren Kinder ab 4 Jahren für das Pfadfinden. Außerdem ist Mitglieder in der AG Biber.

 

Frage 7: Wie sieht euer Biber-Gruppenstundenkonzept aus?

Bei uns im Stamm hat sich folgendes Konzept, über die Jahre, entwickelt: Unsere Gruppenstunden sind dreigeteilt in Wissensteil, Snacken, Freispiel

Wissensteil: Pfadfinden „be-greif -bar“ machen

Im Wissensteil lernen unsere Biber Grundlagen der Pfadfindertechniken: Knoten, Lagerfeuerarten, Karte & Kompass, Bäume und Tiere. Grundsätzlich kann jedes Thema und jede Pfadfindertechnik auf Biberniveau heruntergebrochen werden. Voraussetzung ist, dass es „be-greif -bar“ umgesetzt wird. Da die  Konzentrationsspanne im Biberalter bei ca. 20 Minuten liegt, ist es wichtig, sich auf wenige Inhalte zu fokussieren und das Thema lebendig und spannend zu gestalten.

Wenn wir uns mit Regenwürmern beschäftigen, kaufen wir diese beim Anglerbedarf und lassen sie anschließend als Nützlinge auf unserem kleinen Kartoffelfeld frei. Nur mit der Abbildung eines Regenwurmes wären die Biber schnell gelangweilt: es ist zu abstrakt und bleibt nicht in Erinnerung. Aber zu spüren, wie der Regenwurm in der Hand kitzelt, an ihm zu riechen, seine Bewegungen (in einem Schauglas) zu beobachten und alleine zu entdecken, dass die beiden Enden unterschiedlich geformt sind, ist eine großartige Erfahrung.
Ist so die Neugierde erst einmal geweckt, kommen Fragen über Fragen:
Wo ist vorne und wo hinten?
Was frisst ein Regenwurm?
Warum heißt er Regenwurm?
Die Fragen als Resultat der eigenen Forschungsarbeit sind das, was in Erinnerung bleibt und neugierig macht. Dabei geht es Bibern bei neuen Entdeckungen auch nicht anders als Erwachsenen:
Beim ersten Mal nimmt man nicht alles war, man ist zu aufgeregt. Deshalb ist es wichtig, sehr spannende Themen mehrmals in die Jahresplanung mit aufzunehmen. Vor allem, wenn diese auch eine gewisse motorische Geschicklichkeit erfordern (wie der Umgang mit dem Feuerstahl oder das Thema Knoten).

Damit die Biber an den Herausforderungen wachsen können und auch Erfolgserlebnisse haben, ist es wichtig, die Themen in den Folgejahren zu wiederholen. Ausnahmen machen wir bei unseren Aktionen „über den Pfadfinderhut hinaus“. Dann besichtigen wir Polizei, Feuerwehr, Rettungshubschrauber, Landwirtinnen und Landwirte, Ausstellungen des Pilzfreunde Vereins und der Imkerinnen und Imker. Es finden sich immer Ehrenamtliche welche gerne bereit sind uns „ihre Welt“ näher zu bringen.

Wenn wir einmal nichts finden, wo wir hingehen können, laden wir auch gerne Expertinnen und Experten ein. Das DRK hat für diese Altersgruppe das Bärenhospital und die Johanniter die „Ersthelferinnen und Ersthelfer von morgen“. Wir fragen auch gerne Jägerinnen und Jäger (mit Jagdhund), Försterinnen und Förster  oder die Hundestaffel an. Beliebt ist auch die Brandschutzunterweisung mit Praxisteil.  Diese Aktionen sind einmalig in den drei Biberjahren.

Wenn die Biber ein Thema verinnerlicht haben, ist es wichtig, dieses zu erweitern. Dann sollten weitere Inhalte wie zum Beispiel Baum-, Lagerfeuer oder Tierarten ergänzt werden. Sonst wird es den Bibern schnell langweilig.

Kleine Stärkungspausen (Snacken)

Die Biber haben durch Toben, Rennen und Lernen einen hohen Energiebedarf. Hinzukommt, dass wir berufsbedingt unsere Gruppenstunden erst ab 16.00 Uhr beginnen können und um 17.30 beenden. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass daher eine Trink- und Snackpause zwischendrin sehr sinnvoll ist.

Beim Snacken darf der Reihe nach jeder Biber einmal etwas für alle mitbringen. Für manche Biber ist es eine neue Erfahrung, das eigene (für die Gruppe mitgebrachte) Essen mit den anderen zu teilen. Es ist wichtig, dass „Fair-Teilen“ positiv zu erleben.

Unsere Biber dürfen teilen, neue Snacks ausprobieren und wenn es nicht schmeckt, jemanden finden, der es mag. Das kann eine Leiterin, ein Leiter oder ein anderer Biber sei. Wenn sich keiner findet, wird es für Eltern oder Geschwister in den Rucksack gepackt. Denn Pfadfinderinnen und Pfadfinder leben einfach und umweltbewusst.

Für mich persönlich hat diese gemeinsame Mahlgemeinschaft auch einen spirituellen Hintergrund. Dies wird durch das „Sich-an-den-Händen halten“ und einen in unserem Stamm traditionellen Tischspruch vor dem Essen bekräftigt. Oft finden die kleinen Mahlzeiten in unserem Baumhaus oder auf der Wiese statt.
Beim gemeinsamen Zusammensitzen wird nicht nur das Essen geteilt, sondern auch Erlebtes aus Kindergarten und Familie.

Es ist uns wichtig, gerade bei den schüchternen und ruhigen Bibern, Gespräche anzuregen und sie zu ermutigen, ihre Meinung zu äußern. Unterstützt wird das durch den geschützten Rahmen einer kleinen und festen Gruppe.

Das Freispiel

Im Freispiel schlagen die Biber eigene Spiele vor und stimmen demokratisch ab, welches Spiel und in welcher Reihenfolge sie spielen wollen. Wir Leiterinnen und Leiter limitieren nur die Spieldauer der einzelnen Spiele, damit auch jeder Biber sein Spiel erklären und spielen kann. Das geht natürlich nicht von alleine und gleich ab der ersten Gruppenstunde. Es ist ein Lernprozess.
Am Anfang unterstützen wir noch viel. Vor allem für die schüchternen Kinder ist es wichtig, dass anfänglich vieles reguliert wird. Manchmal sind die Erklärungen etwas holprig und nicht ganz verständlich. Dann springen wir „vergesslichen“ Leiterinnen und Leiter ein und lassen es uns nochmals Stück für Stück mit Beispielen erklären.

Wir staunen oft über die Vielzahl der „Fang-Varianten“ und es sind die Biber, die uns Leiterinnen und Leiter mit auf Phantasiereisen nehmen: Da sind wir plötzlich Dinos, Wölfe oder Tiger, die Abenteuer erleben. Oder wir robben durch die Büsche und entdecken geheime Gänge, kugeln einfach nur den Hügel herunter, hüpfen durch Pfützen oder matschen im Sand. Für uns ist das die Bestätigung, dass Kinder nicht viele Dinge benötigen, um Spaß zu haben und Abenteuer zu erleben.

Wir sind eigentlich immer draußen. Es ist wichtig, den Kindern die Natur nahezubringe, denn nur was ich liebe und achte will ich auch erhalten und bewahren. Aber auch, weil alle unter freiem Himmel viel entspannter und offener sind. Jeder Biber kann sich neu entdecken. Es gibt keine „Schubladen“ wie Bau- oder Puppenecken. Die Natur hat nichts geschlechtsspezifisches und die Phantasie hat in dieser Altersgruppe keine Grenzen. Alles ist neu und anders: jeder Baum, jeder Berg, jede Wiese. Die Biber erleben ihr Umfeld im Wechsel der Jahreszeiten. Bei Kälte und Schnee snacken wir im warmen Gruppenraum und bei Gewitter und Stürmen bleiben wir am Vorplatz um ggf. gleich ins Haus gehen zu können, wenn das Wetter bedenklich wird. Dann schauen wir uns das Gewitter und die dunklen Wolken durch die Fensterscheiben an.

Beliebt ist auch unser „Dunkelverstecken“ im Gruppenraum. Das ist eine Variante, welche auf die Winterzeit beschränkt ist. Eine Gruppe versteckt sich und die andere Gruppe sucht im Dunkeln. Wir schließen dieses Spiel gerne ab, indem sich alle Biber verstecken und die Eltern beim Abholen ihr Kind im Dunkeln finden müssen.

Tipps für die Gruppenstunde:

Hilfreich (außer ein Knuddeltier) ist eine große Auswahl an Kinderpflastern. Schmerz ist oft schnell vergessen, wenn man zwischen Prinzessinnen-, Piraten-, Tier- oder Autopflaster wählen kann. Außerdem bekommen unsere verletzten Kinder immer ein „Trösterle“: das kann ein Gummibärchen oder Kaubonbon sein. Dann sind die kleinen Blessuren schnell vergessen.

Zur Grundausstattung der Biber gehört ein Rucksack für Trinkflasche und Schätze (Eicheln, Zapfen, Schneckenhäuser…). Außerdem eigent sich dieser gut als Sitz- oder Knieunterlage, wenn die Wiese nass oder der Boden gefroren ist. Daher sind unsere Biber angehalten „outdoor-taugliche“ Kleidung, wie Regen- oder Matschhosen zu tragen und Kleidung, die schmutzig und kaputt werden darf. Wenn ein Hügel zu steil oder rutschig wird, kann man immer sicher auf dem Hosenboden nach unten rutschen.

Etwas mitgeben

Wir sind immer draußen, auch beim Werken, Basteln oder Malen. Das hat den Vorteil, dass die „Tischhöhe“ immer passt und wir uns nicht um Stuhlhöhen Gedanken machen müssen. Es ist auch nicht notwendig, extra Mobiliar für die Biber anzuschaffen. Wenn kleinere Biber die Tische nutzen möchten oder etwas aus der Tischmitte benötigen, knien sie sich einfach auf den Stühlen hin. Wer mehr „Indoor“ ist, kann Sitzkissen, am besten die viereckigen für Gartenmöbel, zum Ausgleich der Höhe besorgen.

Wir versuchen, den Bibern möglichst oft etwas aus der Gruppenstunde mitzugeben: der selbstgebaute Wasserfilter (mit dem das Dreckwasser wieder klar wird), ein Pfoten-Abdruck aus Ton, ein Osternest aus (selbst gesammeltem) Moos, Zunderpads aus Watte und Wachs oder die Haselnuss mit den Fraßspuren einer Maus. Das sind bleibende Schätze, die zuhause voller Stolz den Eltern, Großeltern und Geschwistern präsentiert werden. Manchmal dürfen unsere Biber ihre Schätze auch im Kindergarten oder in der Schule ausstellen und erklären. Biber geben gerne ihr Wissen weiter.

Wir achten bei der Zusammensetzung der Gruppe darauf, dass immer mindestens drei Biber aus dem gleichen Jahrgang sind, damit diese später auch als kleine Gruppe zu den Wölflingen übertreten können.

Biber mit Werkzeug?!

Beim Beilen ist es wichtig, die Bewegung zuerst gemeinsam zu üben und eine weiche Holzart zu wählen (Birke oder frische Fichte), damit das Erfolgserlebnis groß ist. Die Holzstämme sollten halbiert sein, um eine gute Auflage zu gewährleisten. So wird das „Hüpfen“ des Holzes beim Auftreffen des Beils vermindert. Außerdem ist es wichtig, Holzstücke auf einem breiten Hacktisch oder Holzbank auf Biberhöhe zu platzieren und die Biber direkt davor zu stellen. Bei einem Fehlwurf trifft das Beil auf den Hacktisch und schwingt nicht unkontrolliert vorbei.

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