„Das Leben ist wie ein Buch und wer nicht reist, liest nur wenig davon.“

Erschienen am 29. August 2018 in freiwillig & weltwaerts

Jonas Maxein

Jonas Maxein

Jonas Maxein verbringt als Freiwilliger der DPSG ein spannendes Jahr in Paraguay.

 

Das ist das Centro municipal de Arte, an dem ich unterrichte.

Dieses wunderschöne Zitat stammt von Jean Paul und ist eines meiner Lieblingszitate. In diesem Sinne trat ich voller Vorfreude, ein wenig Stolz, aber auch etwas unsicher Anfang August 2018 die bisher längste und zugleich weiteste Reise meines Lebens an: Mein Freiwilligendienst in Paraguay. Was ich möchte, sind neue Begegnungen mit Menschen, einer anderen Kultur und einem anderen Sinn für das Leben. All das öffnet und fördert die Toleranz, einer der wichtigsten Werte in der heutigen Welt. Solche Begegnungen hatte ich und sie werden noch lange nicht vorbei sein.

Meine erste positive Erfahrung hatte ich, als ich echt müde vom langen Flug in Asunción ankam: Die schon angepriesene Gastfreundschaft Paraguays. Carlos, der unter anderem für die Kooperation mit den Freiwilligen im Projekt „Sonidos de la tierra“ zuständig ist, holte mich am Flughafen ab und war die Freundlichkeit in Person. Er lud mich ständig zu irgendetwas ein und so musste ich den ganzen lieben Tag nichts bezahlen. Aber nicht nur er, sondern alle hier in Paraguay versuchen sich mit mir zu unterhalten und wollen mir helfen. Durch diese Hilfsbereitschaft habe ich mich hier wirklich schnell wohlgefühlt.

Undurchschaubarer Straßenverkehr

Was mich aber direkt ein wenig schockierte, war die Art zu fahren. Überall schlängeln sich Autos mit Schrammen und Beulen für mich vollkommen wirr und undurchschaubar durch die Straßen – logischerweise ohne Rücksicht auf Markierungen am Boden. Es gilt das Recht des Stärkeren hier und doch werden wir auf allen Seiten ständig von Motorrollern überholt, auch wenn eigentlich kein Platz dafür ist. Zudem habe ich in den drei Wochen, in denen ich jetzt hier bin, noch niemanden gesehen, der einen Anschnallgurt benutzt. Noch nicht einmal die kleinsten Kinder werden aufgefordert, sich anzuschnallen, was mich ein bisschen stört. Ich bin um die halbe Welt gereist. Es war zu erwarten, dass vieles anders läuft. Wenig ist so weit entwickelt, wie wir es aus Deutschland kennen. Aber das stört mich nicht. Es ist so viel anders hier, dass sogar der erste Regen wie etwas Neues schien.

Das ist das Orchester in dem ich jetzt spiele.

Nach nur einer Probe ging es zum Konzert

Direkt am dritten Tag wurde ich zur Probe des örtlichen Orchesters gebracht. Nach wenigen Tagen und nur einer Probe mit dem Orchester habe ich schon das erste Konzert und den Geburtstag des Dirigenten erlebt. Trotz oder gerade wegen des rasanten Einstiegs lernte ich alle Leute aus dem Orchester schnell kennen und schätzen. Denn natürlich sind die Musikerinnen und Musiker genauso nett wie alle anderen, die ich bisher kennenlernen durfte.

Die Familie hilft durch alle Lebenslagen

Meine Gastgeschwister Lucas und Rosa

Auch bei meiner Familie und in meinem Zuhause hab ich mich ebenfalls direkt wohl gefühlt. Alle sind genauso zuvorkommend, wie ich es von Anfang an erleben durfte. Da ich bei meiner Ankunft noch krank war, kümmerten sich alle liebevoll um mich, sodass es mir schnell besser ging. Meine Gastgeschwister sind in meinem Alter und sprechen Englisch. Das hat mir den Einstieg hier etwas erleichtert. Darüber war ich sehr froh, denn ich konnte so gut wie kein Spanisch. Die Familie ist mir sehr wichtig, denn bisher haben sie mir durch alle Lebenslagen geholfen. Wenn hier alles stimmt, dann kann ich auch mit allen schwierigen Situationen umgehen, die mir vielleicht begegnen werden.

Heimweh in der ersten Woche

Trotz der Gastfreundschaft überfiel mich in den ersten Wochen starkes Heimweh. Ich habe viel Zeit alleine Zuhause verbracht, da ich noch nichts zu tun hatte und alle aus der Gastfamilie den Tag über arbeiten mussten. Außerdem hatte ich nicht dran gedacht, Notenmaterial mitzubringen. Das überforderte mich so, dass ich ein wenig verzweifelt war und nicht wusste, wie ich Trompete unterrichten sollte. All das führte zu langen Telefonaten nach Hause, die mein Heimweh noch verstärkten. Ich vermisste Deutschland, dort ist der Alltag so viel einfacher.

Offen für alles Neue

Mein Zimmer, was ich mir mit meinem Gastbruder Lucas teile.

Aber das ist Schnee von gestern. Dank der Hilfe aus Deutschland und von Leuten aus meinem Umfeld in Paraguay fühle ich mich mittlerweile pudelwohl und habe endlich genug Notenmaterial, um meine Aufgabe zu erfüllen: Trompete zu unterrichten. Es macht mir richtig Spaß und auch die wöchentlichen Orchesterproben lassen mich ein wenig wie zuhause fühlen. Ich verstehe mich hier gut und ein wenig verbunden mit Tomoko, einer ebenfalls Freiwilligen aus Japan, die genauso mit gebrochenem Spanisch Klarinette unterrichtet. Zudem kenne ich außerhalb des Projekts Freunde meiner Gastgeschwister und verstehe mich mit ihnen ebenfalls gut.

Ich bin gespannt und freue mich darauf, was mich noch alles erwartet. Ich bin offen für alles Neue und glaube, mir steht ein wunderbares Jahr und ein sehr schlimmer Abschied am Ende bevor.

In diesem Sinne,
Euer Jonas

Kommentar hinterlassen:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.