Mal eben MAMPF für 3.500 Personen

Erschienen am 9. August 2018 in Allgemeines

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Nach einem Lager ist auch immer vor der Reflexion – und leider auch immer wieder vor der Rechtfertigung. Über dritte und vierte Personen haben uns einige Rückmeldungen und „Nachfragen“ zur Lebensmittelversorgung bei Leuchtfeuer 2018 erreicht, auf die wir gern reagieren wollen. Wir möchten für die Zukunft darum bitten, uns einfach direkt anzusprechen – so können wir viele Punkte schnell und einfach erklären. Unsere Kontaktdaten findet ihr am Ende des Textes.

Dieser Beitrag ist Teil unserer M.A.M.P.F.-Reflektion zu Leuchtfeuer 2018. Wir haben uns nochmal intensiv mit der Veranstaltung, den Erlebnissen vor Ort und den darauffolgenden Rückmeldungen befasst. Und wir sind der Überzeugung, dass diese Form die richtige ist, um viele Leute zu erreichen und hoffentlich eine sinnvolle Diskussion anzuregen.

Hier aber die Punkte, die uns selbst in irgendeiner Form aufgefallen sind:

Beschaffung von biologisch, fair, regional und saisonal produzierten Lebensmitteln

Ein Beispiel: Fleischprodukte:
Lebensmittellieferanten, die unsere Wunschkriterien (bio und regional) erfüllten, haben auf unsere Nachfrage nach 2100 Kilo Fleischprodukten folgende Antwort gegeben: „Ja, dieses Jahr wird das nichts, aber kommendes Jahr kann ich euch da extra was mit aufzüchten…“ Somit fiel diese Option leider aus, weshalb wir uns nach Partnern umschauten, die verlässlich die benötigten Mengen bereitstellen konnten. Das von „Chefs Culinar“ gelieferte Fleisch verfügt über eine Herkunftsangabe gemäß LMIV-Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1337/2013, die seit dem 01.04.2015 und ist vornehmlich regional produziert, um Transportwege kurz zu halten, um die Vakuumierung der Frischware sowie Vortagesschlachtungen zu vermeiden und Frischware liefern zu können. Dieser Standard wird durch eine dauernde staatliche Überwachung garantiert und war in unseren Augen die zweitbeste Option, weshalb wir uns hierfür entschieden haben.

Ähnliche Antworten erhielten wir bei der Nachfrage nach 3250 Kilo Milchprodukten, 2900 Kilo Brot, 3500 Stück Kuchen, 3500 Stück Laugengebäck und 6000 Kilo Obst und Gemüse.

Bei der Suche nach einem Bäcker, der uns die benötigten Mengen Backwaren frisch liefern konnte, haben wir mit der „lokalen“ Großbäckerei „Die Lohners“ eine für uns noch tolerable Lösung gefunden. Viele, die öfter in Westernohe sind, werden die Kette kennen, da sie auch eine Filiale im Rewe in Rennerod betreibt. Die Alternative wäre die Belieferung mit konventionellem Industriebrot gewesen, weshalb wir froh waren, hier eine deutlich bessere Möglichkeit zu haben.

Ein weiteres Beispiel, das immer wieder in Gesprächen auftauchte: Kaffee

Den Küchenteams vor Ort wird noch etwas ins Auge gesprungen sein: Am Anfang gab es Orang-Utan-Kaffee[1], später dann Standardprodukte. Der deutlich über unserer, mit dem erfahrenen Röster abgesprochenen, Kalkulation liegende Kaffeekonsum führte dazu, dass der für uns extra geröstete und gemahlene Kaffee nicht ausreichte. Da der Lieferant selbst an Leuchtfeuer teilnahm, war dort eine spontane Mengenerhöhung um die zusätzlich benötigten 100 Kilo nicht realisierbar. Gerade bei einem Luxusprodukt, wie Kaffee, ist uns allerdings die Herkunft sehr wichtig, weshalb wir mit dem Röster in Verhandlungen über zukünftige Zusammenarbeit stehen.

Transport, Lagerung, Logistik

Neben der reinen Beschaffung der Lebensmittel stellte uns aber auch die Logistik vor Herausforderungen. Hierzu wieder ein Beispiel: die Milch.

Die Nachfrage nach frischer Hofmilch ergab, dass eine Abfüllung und Belieferung mit lokaler Milch in der 1-Liter-Glasflasche möglich gewesen wäre. Allerdings hätten dazu gekühlte Transporter organisiert werden müssen, jemand von uns hätte damit die Milch holen und das Leergut zurückbringen müssen. Zudem hätte die Kühlkette auch nicht unterbrochen werden dürfen – das bedeutet, wir hätten die Flaschen immer direkt nach der Anlieferung in die Kühlcontainer auf dem Platz umladen müssen – und in Kühlwägen an die Küchen ausliefern. Mit der sehr begrenzten Helferinnen- und Helferzahl war dies schlichtweg nicht machbar. Auch hätte allein für die Milchkühlung in einem solchen Falle ein weiterer Kühlcontainer bereitgestellt werden müssen. Die Verwendung von Rohmilch kam schlicht und ergreifend aus hygienischer Sicht auf einem so großen Lager nicht in Frage. Vorzugsmilch[2] konnte aus oben genannten Gründen ebenfalls nicht bereitgestellt werden.

Vielleicht lässt sich anhand dieser Beispiele nachvollziehen, dass es schwierig ist, für 3500 Leute innerhalb von zwei Monaten Lebensmittel zu beziehen, die den oben genannten Kriterien wie „bio, regional, saisonal, fair“ entsprechen – ganz zu schweigen von Transportwegen, Lagerungsmöglichkeiten und dem weiteren Transport auf dem Platz.

Wir haben uns mit „Chefs Culinar“ und „Transgourmet“ zwei Großhändler als Partner ausgesucht, die mit derartigen Mengen Erfahrung haben und auch spontane Mengenänderungen umsetzen konnten, was die Lebensmittelverschwendung deutlich reduziert hat.

Budget

Das Budget, das mit 6,50 € pro Tag für Teilnehmerinnen und Teilnehmer angesetzt war, spielte durchaus eine, wenn auch untergeordnete, Rolle. Die dezentrale Versorgungsstruktur (jede Küche benötigt einen Grundstock an Material, z. B. Alu- und Frischhaltefolie, Desinfektionsmittel, Schwämme, Spülmittel, Einweghandschuhe, Gewürze und Öle sowie Lebensmittel unter Berücksichtigung von Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten) führte hier zu einer deutlichen Teuerung und lässt dadurch den direkten Vergleich mit einem Stammes- oder Bezirkslagers nicht zu. Dort ist unserer Meinung nach ein Budget von 6,50 € sehr üppig und lässt deutlich mehr Spielraum. Mit dem gewählten Versorgungsmodell war es aber nicht möglich, den oben genannten Standard für alle Produkte zu finanzieren.

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Reste

Ein Thema, das es bis in die Facebook-Gruppe geschafft hat. Hier zuallererst auch wieder Zahlen: Am Ende der Veranstaltung haben wir ca. 5 % der Gesamtmenge an Käse (55 kg), ca. 10 % der Gesamtmenge an Aufschnitt (110 kg) und ca. 3 % der Obst- und Gemüsemenge (180 kg) an die Tafeln in Frankfurt gespendet. Dazu hat das THW ca. 7 % der Gesamtmenge an Brot (200 kg) als Spende erhalten.

Wie klar sein sollte, ist am Ende eines Lagers, bedingt durch Wetter und das generelle Essverhalten, im besten Fall etwas zu viel eingekauft worden – und das wird dann verteilt. Kleinere Mengen Lebensmittel haben den Weg zu Teilnehmenden, aber auch zu den Einwohnerinnen und Einwohnern von Westernohe gefunden. Damit sind wir unserem Grundsatz „Weggeworfen wird nur das, was nicht mehr essbar ist.“ treu geblieben.

Was uns final einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hat, war die insgesamt geringe Teilnahme am Frühstück. Wir haben mit den Küchen im regen Austausch gestanden – hier erreichte uns folgende Zahl: Aus einem Dorf von ca. 250 Teilnehmenden waren 21 Teilnehmende zum Frühstück erschienen. Auch wenn wir die Frühstücksmengen nur mit 65 % Teilnahmequote kalkuliert hatten, beißt sich das mit einer Teilnahmequote von knapp 9 %. Das ist natürlich ein sehr krasses Beispiel, wir haben aber insgesamt viele ähnliche Rückmeldungen erhalten.

Helfende

Auch wenn es für die Kalkulation eine geringere Rolle gespielt hat, möchten wir an dieser Stelle auch noch einmal unsere Helfendensituation darlegen. Wir haben uns in der Vorbereitung ab Ende des letzten Jahres mit Leuchtfeuer intensiv auseinandergesetzt und sind aktiv in die Planung eingestiegen, nachdem grundlegende organisatorische Dinge geklärt waren. Wir haben unsere Arbeit im Lebensmittelzentrum so geschätzt, dass wir dort 13 Personen sein müssten, um die 28 Tonnen Lebensmittel vernünftig auf die Küchen zu verteilen und angemessen auf Änderungen reagieren zu können.

Nachdem wir uns, da sich niemand anderes gefunden hat, noch der Helferküche angenommen haben, in der deutlich mehr Personen verpflegt wurden, als uns in der Planung mitgeteilt wurde, sind wir in argen Personalmangel gekommen. Wir haben am Ende mit 14 Personen nicht nur das Lebensmittelzentrum geschmissen sondern auch noch eine Küche für 350 Personen.
An dieser Stelle wollen wir uns noch einmal bei den Personen bedanken, die uns immer mal wieder ein paar Stunden geholfen haben. Ohne euch wäre es für uns nicht möglich gewesen!

Unser Fazit: Wir sind der Überzeugung, ganz ordentlich kalkuliert und einen guten Job abgeliefert zu haben – dafür, dass auch wir das Ganze ehrenamtlich und vor allem selbst zum ersten Mal in der Größenordnung gestemmt haben. Uns ist es wichtig, eines noch einmal zu betonen: Wir sehen uns als Pfadfinderinnen und Pfadfinder in der Verantwortung, nachhaltig und umweltbewusst zu handeln. Daher ist uns eine Verpflegung mit biologischen, fairen, regionalen und saisonalen Lebensmitteln ein besonderes Anliegen und wir freuen uns darauf, unser Knowhow und unsere Erfahrungen – auch von Leuchtfeuer 2018 – bei zukünftigen Veranstaltungen einzubringen, denn mit vorausschauender Planung und Organisation lässt sich nachhaltige Verpflegung auch auf Großveranstaltungen noch konsequenter umsetzen.

Gerne stehen wir für weiteren Austausch und konstruktive Kritik zur Verfügung. Ihr erreicht uns per Mail über mampf.kueche@gmail.com oder über https://www.facebook.com/kueche.MAMPF/. Wir nehmen jede Anfrage ernst und werden sie nach bestem Wissen und Gewissen beantworten.

Als letztes wollen wir die Gelegenheit nutzen, uns bei den Küchenteams von Leuchtfeuer für die flexible, offene, ehrliche und unkomplizierte Zusammenarbeit zu bedanken – ohne euren Einsatz wäre auf dieser Veranstaltung niemand satt geworden. Dass alle satt geworden sind, ist ein Verdienst, den wir uns alle gemeinsam auf die Fahne schreiben dürfen.

Für das Team von M.A.M.P.F.

Katharina, Aron, Schatti

[1] weitere Informationen unter https://orangutan.coffee/

[2] Als Vorzugsmilch wird eine aus Rohmilch durch Verpacken und Filtrieren hergestellte Milch bezeichnet. Sie wird von Erzeugerinnen/Erzeuger und Weiterverarbeiterinnen und -verarbeiter lediglich gefiltert und muss nach der Abfüllung gekühlt werden. Sie darf während ihrer Verarbeitung nicht erhitzt oder homogenisiert werden.

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2 Responses

  1. Johannes Birkner

    10. August 2018: Scheint ganz schön viel Futter "vernichtet" worden zu sein... ;)

     
  2. Christian

    10. August 2018: Das finde ich mal transparent! Respekt!