Meine (falschen) Erwartungen

Erschienen am 21. September 2018 in Abenteuer Pfadfinden

Maike Donnay

Maike Donnay

Maike Donnay ist als Freiwillige im Adveniat-Projekt „Hogar de Cristo“ in Ecuador.

 

Ich bin seit kurzem in Ecuador, und ich muss sagen, es fühlt sich viel länger an! All die neuen Eindrücke, die auf mich einströmen und die vielen neuen, herzlichen Menschen, die ich schon kennengelernt habe!

Streunende Hunde und viel Müll gefallen Maike gar nicht.

Was mir zu allererst aufgefallen ist: Die Stadt Guayaquil ist echt nicht schön! Mir wurde zwar vorher von ehemaligen Freiwilligendienstleistenden gesagt, dass es eine hässliche Stadt ist, aber, dass sie so hässlich ist hätte ich nicht erwartet. Ich stamme aus Münster und empfinde schon Städte wie Essen als nicht so schön. Somit war Guayaquil ein wahrer Schock. Der ganze Lärm durch Hupen, Miauen und Bellen ist kaum vorzustellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und dann noch all der Müll auf den Straßen und überall laufen Straßenhunde und -katzen rum. Ich war schon in Deutschland kein Fan von Hunden. Es ist also leicht sich vorzustellen, wie schlimm ich die Hundesituation hier finde!

Allerdings kann ich auch sagen, dass ich mich bereits auf vieles eingestellt und feste Erwartungen hatte. Leider hatte ich auch Vorurteile, die sich, zumindest bis jetzt, noch nicht bewahrheitet haben.

Alles eine große Lüge!

Beispielsweise wurde mir vorher auf einem Seminar erzählt, dass viele Menschen hier die Deutschen als übel riechend empfinden, weil sie so viele Milchprodukte essen und trinken. Also habe ich nachgefragt: die Menschen hier finden zwar, dass wir nicht ganz so gut riechen, allerdings nicht wegen der Milchprodukte! Denn wer die Menschen vor Ort kennt, kann nur lachen: Fast jedes Essen, das ich bisher gegessen habe, enthielt Laktose. Vor allem Käse, egal, in welcher Form, ist ein wichtiger Bestandteil des Essens. Damit klärt sich auch, dass „wir Europäerinnen und Europäer“ nicht die einzigen auf der Welt sind, die Laktose vertragen. Meine Gastschwester hat mich ausgelacht, als ich sie danach gefragt habe! Allerdings hat sie auch direkt zugegeben, dass sie findet, dass die meisten Freiwilligendienstleistenden nicht so frisch riechen, weil sie einfach noch nicht an das Klima gewöhnt sind.

Falsche Erwartungen

Auch andere Dinge haben sich als falsch herausgestellt: Zum Beispiel habe ich nicht Angst, vergewaltigt oder ausgeraubt zu werden, sobald ich die Straße betrete. Die Leute sind hier sogar sehr nett! Selbstverständlich sollte man immer vorsichtig sein! Aber für welchen Teil der Welt gilt das nicht?
Ich dachte auch, es wäre so heiß, dass ich jeden Tag zerlaufen würde. Aber ich muss sagen, so heiß finde ich es gar nicht. Vielleicht liegt es auch an der zweimonatigen Hitzewelle direkt vor meinem Abflug, durch die ich mich schon ein bisschen an das Klima gewöhnen konnte. Klar, es ist längere Zeit wärmer als gewohnt. Ich habe noch keinen Tropfen Regen gesehen, mit dem in Münster übrigens fast jeden Tag zu rechnen ist, aber ich kann ohne Probleme in langer Hose raus.

Spanisch sprechen 2.0

Außerdem habe ich damit gerechnet, dass es total anstrengend wird mit einem Freiwilligen, der viel besser Spanisch spricht, als ich (wenn du das liest: Es tut mir leid Jan!). Doch woran ich nicht gedacht habe: Ich habe ja auch meine Zeit zu Hause, in der ich mit meiner „neuen“ Familie sprechen und schnell Spanisch lernen kann. Denn ich habe festgestellt, ich lerne unfassbar schnell! Noch vor einer Woche habe ich fast gar nichts verstanden und es war für mich nicht mal klar, wo ein neues Wort beginnt, doch das hat sich schnell geändert. Natürlich kenne ich viele Wörter noch nicht, aber ich verstehe schon deutlich mehr als zu Beginn. Und ob ihr´s glaubt oder nicht: Spanisch macht mittlerweile sogar Spaß, und das, obwohl ich Spanisch in der Schule immer gehasst habe!

Hühnchen ist kein Fleisch!

Kochbananen in alle Variationen sind sehr lecker.

Mir wurde schon vorher erzählt, dass es immer und überall Essen gibt. Und ja, es stimmt! An jeder Straße, gibt es Essen zu kaufen. Wenn ich bei Menschen zu Besuch bin, wird mir immer etwas angeboten.
Und noch etwas ist wahr: Fleisch ist das wichtigste beim Essen, was für mich, als Vegetarierin, natürlich etwas schwer ist. Eins muss noch dazu gesagt werden: Weder Hühnchen noch Fisch werden von den Essenden vor Ort als Fleisch angesehen. Jedes Mal, wenn ich sage, dass ich kein Fleisch esse, werde ich gefragt: „¿Y pollo?“ (und Hühnchen?).
Meiner Familie muss ich lassen, dass sie sehr tolerant sind, was das Thema angeht! Ich glaube zwar, dass meine Gastmutter ein bisschen Angst hatte, dass ich sogar Veganerin bin, doch bisher gab es für mich immer vegetarisches Essen. Den Ecuadorianerinnen und Ecuadorianern muss man lassen: Sie können kochen! Kochbananen, egal in welcher Form und auch der tägliche Reis werden nicht langweilig. Und wer keine Lust aufs Kochen hat, kann sich einfach an der nächsten Ecke frische, nicht importierte Früchte kaufen. Es würde mich also wundern, wenn ich nach Deutschland nicht mit ein paar Kilos mehr zurückkomme.
Das einzige, was hier ungenießbar ist, ist das Leitungswasser. Wer sich kein Wasser kauft, muss entweder filtern oder abkochen. Doch auch daran kann man sich schnell gewöhnen!

Nennt mich Maike

Was ich wohl niemals erwartet hätte: Kaum eine oder einer hier ist in der Lage, meinen Namen richtig auszusprechen. Noch keiner hat es geschafft, beim ersten Versuche „Maike“ zu sagen. Was ich zu hören bekomme ähnelt eher „Maiko“, „Maikö“, „Maikel“ oder „Maiki“. Auch die anderen deutschen Freiwilligen haben damit so ihre Probleme. Deshalb hat sich eine Mitfreiwillige kurzerhand umbenannt und spricht jetzt sogar selbst ihren Namen falsch aus.

Für mich habe ich also festgestellt, dass ich viele Erwartungen hatte, die sich teils als falsch, teils als richtig herausgestellt haben. Doch die meisten meiner negativen Vorurteile stimmen nicht, worüber ich sehr froh bin. Denn dadurch wird, zumindest fühlt es sich so an, mein Leben hier sicherer und ich habe große Lust, dieses neue Land und die Menschen hier zu entdecken. Ich freue mich also auf das folgende Jahr und bin gespannt, welche anderen Erwartungen sich bewahrheiten und welche nicht!

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