Südafrika mal anders

Erschienen am 28. November 2018 in Allgemeines

Dominik Schulte

Dominik Schulte

Dominik Schulte verbringt als Freiwilliger der DPSG ein spannendes Jahr in Südafrika.

 

,,Mpumalanga, das klingt ja schon so nach Urwald.” Das war eine von vielen Reaktionen die ich bekam, wenn ich vom Ort meines Freiwilligendienstes erzählt habe.
Ein Jahr unter den Wilden, nur mit Blättern bekleidet und in Lehmhütten wohnend –
ALLES QUATSCH!

Um euch Mpumalanga, im Detail seine Hauptstadt Mbombela, ein wenig näher zu bringen, damit ihr euch einen besseren Eindruck verschaffen könnt, hier ein paar interessante Fakten:

Mbombela ist Siswati und bedeutet übersetzt ,,viele Menschen an einem kleinen Ort”. Es umfasst mit all seinen Vororten schätzungsweise 220.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit ist Mbombela z. B.  größer als Mainz. Außerdem wurden hier im stadteigenen Stadion vier Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 ausgetragen. Tja, wohl doch kein Urwalddorf.

Jetzt aber genug mit den Fakten und Daten. Kommen wir zu dem, was wirklich wichtig ist:
Ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie ich diesen Blog anfangen soll. Und ich kam zu dem Entschluss, mich gegen mein Skript zu entscheiden und es wie in meiner Deutsch-Abiklausur zu machen: Ich schreibe einfach ,,from the top of my head”.

Erster Eindruck

Na gut, fangen wir vielleicht doch etwas chronologisch an, zum Beispiel mit den ersten Eindrücken von meiner Reise.
Als ich auf meinem Hinflug in den Flieger von Dubai nach Johannesburg stieg, verwickelte mich mein Sitznachbar, ein Südafrikaner mit dem Namen Rodney, direkt in ein Gespräch. Wir unterhielten uns lange und er bot mir an, mich am Flughafen in Johannesburg zu begleiten und mir zu helfen, mich zurechtzufinden. Er bezahlte mir sogar einen Porter, welcher mein Gepäck chauffierte und mich zum Bus brachte. Und genau das war mein erster Eindruck von Südafrika. Nächstenliebe, Offenheit und Neugier.

Ein anderer erster Eindruck war für mich der Geruch. Ich tue mich immer sehr schwer, Gerüche zu beschreiben, aber wenn ich es müsste, ginge es wahrscheinlich in eine etwas cremige und süße Richtung. Vielleicht kommt der Geruch daher, dass das Hauptpflegemittel hier Vaseline ist. Sehr interessant wie ich finde, da ich zu Hause nie wusste, wofür Vaseline benutzt werden soll, außer um vielleicht seine Schubladenschaniere zu schmieren.

„Südafrikanische“ Eigenschaften (eigene Wahrnehmung)

Ich könnte diesen Abschnitt wahrscheinlich seitenlang ausführen, aber ich verspreche mich kurz zu fassen.
Was mich jedes Mal wieder aufs Neue verdutzt, ist die Art und Weise wie die Menschen hier miteinander reden. Wenn sich hier zwei auf der Straße begegnen, habe ich immer gedacht, dass sich diese schon seit Ewigkeiten kennen müssten und schon gemeinsam durch dick und dünn gegangen sind. Als ich dann einmal fragte woher sich die beiden denn kennen, war die Antwort, dass sie sich gar nicht kennen, sondern sich zum ersten Mal begegnen würden.

Es gibt noch eine Eigenschaft, an die ich mich bisher immer noch nicht gewöhnt habe: das ist die Gangart und vor allem Geschwindigkeit mit der sich die Menschen hier bewegen. Ihr könnt euch das wie einen gemächlichen Stadtbummel beim Shoppen vorstellen, nur dauerhaft. Und da ich im Allgemeinen schon kein Freund solcher Bummelgänge bin, ist die Gewöhnung doch sehr schwierig. Ich gehe schnell mit großen Schritten, damit ich mein Ziel schnell erreiche, so wie ich es die letzten 19 Jahre gelernt habe.

 

Zu den Bildern: Was ihr seht sind unverkennbare Bilder von Fußwegen. Die beiden laufe ich jeden Morgen zur Arbeit und zurück. Der eine hat Gehwegplatten, der andere ist normal gepflastert.
Über den gepflasterten Weg laufe ich ohne Probleme. Er ist eben, ich weiß wo ich hintrete. Es gibt also einen Plan, eine Regelung, welcher ich blind folgen kann und weiß, was auf mich zukommt.

Mit den Gehwegplatten ist es allerdings eine andere Geschichte. Ich trete jedes Mal in die Lücke zwischen den Platten und breche mir dabei fast die Beine. Dieses Problem haben die Einheimischen nicht, da sie aufgrund ihrer Geschwindigkeit jede Platte einzeln nehmen.
Genau das bestätigt auch, was mir am Anfang meines Freiwilligenjahres jemand erzählte: ,,In Deutschland habt ihr nur 20 Stunden am Tag. Hier in Südafrika haben wir ganze 24 Stunden.”

Je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto sinniger erschien es mir. In Deutschland sind alle gestresst, beziehungsweise machen sich selbst mehr Stress, als sie haben müssten. Hier leben die Menschen entspannt und nehmen sich ihre Zeit, was mich allerdings auch hin und wieder nervt.

Essen

Auch die Essenskultur unterscheidet sich sehr von der deutschen. Was mir als Erstes aufgefallen ist:  das Leitungswasser ist genießbar, doch es ist eher mit Poolwasser zu vergleichen – voller Chlor. Bis heute habe ich mich noch nicht wirklich dran gewöhnt, aber mit etwas Saftsirup geht es.
Eine weitere Sache, die hier selbstverständlich ist, ist die Essensverwertung. Ob Hühnerfuß oder –hals, ob Kuh- oder Schweinekopf, alles kommt auf den Tisch. Damit habe ich auch echt kein Problem, da ich gerne neue Sachen ausprobiere. Die Schweinenase allerdings hat mir nicht so gut geschmeckt. Darauf verzichte ich gerne.
Fleisch ist generell keine Seltenheit, sondern gehört entgegen meiner Erwartungen zu jeder Mahlzeit. Ich glaube, in den vier Monaten, die ich jetzt hier bin, habe ich mit Glück an zwei Tagen KEIN Fleisch gegessen. Ein deutlicher Unterschied zu unseren ,,es ist ratsam, nur ein oder zwei Mal in der Woche Fleisch zu essen”-Mentalität.
Und dann kommen wir zu dem, was in Deutschland die Kartoffeln, in den USA die Pommes und in den asiatischen Räumen der Reis ist: „PAP“. Pap ist hier eines der Hauptnahrungsmittel, wenn nicht DAS Hauptnahrungsmittel. Pap kommt aus dem Niederländischen und heißt übersetzt Porridge, also quasi ein Brei, welcher nur aus Maismehl und Wasser besteht. Es gibt ihn jeden Tag. Mit einer Soße oder Ähnlichem ist es wirklich super lecker und wird auch nicht langweilig.
Und natürlich wird mit den Händen gegessen. Nicht etwa, weil meine Gastfamilie nicht genügend Besteck hat, sondern weil es Tradition und so viel einfacher ist. Nur einmal davor und danach Hände waschen, fertig.
Eine Sache, die glaube ich jede und jeder, die oder der schon einmal Urlaub außerhalb von Deutschland gemacht hat und auch jede und jeder Freiwillige vor mir bestätigen kann: Deutsches Brot ist einzigartig und fantastisch. Ich vermisste es doch sehr schnell. Wenn hier von Brot gesprochen wird, ist von Toast die Rede. Brot ist Toast.

Umstellung und Einstellung

Wie ihr bereits meinen Erzählungen entnehmen könnt, läuft hier vieles anders. Aber dass auf allen Fernsehsender 15 Stunden Soaps am Tag laufen, zu jedem Treffen eine Kühlbox mitgebracht wird, die hier ein ,,Essential” für jede und jeden ist oder, dass selbst noch am Sonntagabend alle in Feierlaune sind, war nicht die krasseste Umstellung für mich.
“SHARING IS CARING” – unter diesem Motto läuft hier eigentlich alles ab. Es wird geteilt, auch unaufgefordert oder manchmal ungewollt.

Das Leben in Mataffin

Und jetzt zu der Frage der Fragen: Wie ist es, in Mbombela zu leben?
Die Frage ist für mich schwierig zu beantworten, da ich nicht direkt in Mbombela, sondern in einem Vorort mit dem Namen Mataffin wohne. Mataffin ist eines der kleineren Townships, obwohl ich mich persönlich weigere, es Township zu nennen, da dieser Begriff in Deutschland meiner Meinung nach stark negativ konnotiert ist. Viele Menschen haben beim Begriff ,,Township” direkt hunderte Bilder im Kopf: Wellblechhütten, verschmutzte Straßen, Armut und Übervölkerung. Und manches davon stimmt auch, aber Townships sind mehr als das. Es geht um Community, um die Gemeinschaft, Zusammenhalt. Ich habe das Gefühl jede und jeder kennt sich und jede und jeder behandelt den anderen wie Familie: Nächstenliebe!
Natürlich schreibe ich auch über das Leben in der Gastfamilie. Ich glaube, dass ich der Erste bin, der hier in der Region, beziehungsweise in Mataffin in einer Gastfamilie leben darf.
Meine Gastfamilie ist toll! Sie sind sehr bemüht, mehr als freundlich und vor allem verstellen sie sich nicht für mich. Ich kann euch nicht genau sagen, wie die Familienverhältnisse sind, das ist eine sehr lange und ausführliche Geschichte, von der auch ich immer noch nicht alle Puzzle-Teile habe.
Aber die Tür meiner Gastfamilie steht für viele Leute offen, was mir die Möglichkeit gibt, immer neue Leute kennen zu lernen.

Pfadfinden hier vor Ort

In Südafrika haben Kinder nicht immer unbedingt eine Nachmittagsbeschäftigung. Sie genießen die Gemeinschaft in den jeweiligen Gruppen und auf Camps. Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder eröffnen vielen auch neue Möglichkeiten: ,,Be a better citizen”, das übt sich nicht nur auf das Verhalten in den Gruppenstunden, sondern auch im täglichen Leben. Mit verschiedenen jährlichen Kampagnen gegen Wasserverschwendung, Kindesmissbrauch und –handel, Alkohol- und Drogensucht etc. werden den Kindern Werte vermittelt und so ein Bewusstsein geschaffen, was richtig und was falsch ist.

Abschließende Worte

Südafrika ist ein umwerfendes Land und ich habe bereits schon so viel gelernt, so viele Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen.
Ich durfte wundervolle Orte sehen und die Natur dieses Landes in vollen Zügen genießen. Ich durfte erleben was es heißt, hier nicht als Tourist herzukommen, sondern in einer Gastfamilie, in einem Vorort zu leben und so das Land noch einmal, auf eine ganz andere Art und Weise kennen- und lieben zu lernen.

Ich kann wirklich jedem empfehlen, einen Freiwilligendienst zu machen. Die Erlebnisse und Erfahrungen sind einzigartig und bleiben ein Leben lang.

In diesem Sinne, ,,Sharp Sharp”, wie man hier zur Verabschiedung zu sagen pflegt und Gut Pfad!

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