Frohes Fest! Wie feiert Paraguay?

Erschienen am 3. Januar 2019 in Abenteuer Pfadfinden

Anna Lichtenthal

Anna Lichtenthal

Anna Lichtenthal verbringt als Freiwillige der DPSG ein spannendes Jahr in Paraguay.

 

Weihnachten bei über 30 Grad?

Ein solches Weihnachten konnte ich mir nicht vorstellen. Und so richtig in Weihnachtsstimmung kommen, konnte ich nicht, und das trotz meiner Bemühungen, wie Weihnachtsmusik hören oder Plätzchen backen.

Auch wenn hier in Paraguay Dekorationen aufgebaut und Werbung für Weihnachten gemacht werden – es war für mich sehr verrückt. Es gibt hier weder die vier Adventssonntage noch die Traditionen des Adventskalenders.

Weihnachten in der Chacarita

Aber auch bereiten sich die Menschen auf Weihnachten vor. Im Dezember haben wir bei meiner Arbeit im Centro Comunitario angefangen, mit den Kindern Weihnachtslieder zu singen, Gedichte zu üben und zu basteln. Damit haben sie sich auf den ,,Acto de Clausura“ vorbereitet. Dies ist eine kleine Feier am Ende des Jahres, bei dem die Kinder, der verscheiden Gruppen des Centro Communitario, den Eltern präsentieren, was sie die letzten Wochen geübt haben.

Mit den Kindern meiner Gruppe haben wir ein Krippenspiel vorbereitet. Wir haben zwar viel geübt, doch im Endeffekt war es trotzdem ziemlich chaotisch. Aber das „nicht perfekt sein“ ist in Paraguay eine Sache, die ich, neben dem nicht übervorsichtig sein, sehr zu schätzen gelernt habe. Die Menschen sind hier in ihrem Alltag viel freier. Das zeigt sich, indem sich hier nicht immer Gedanken darüber gemacht wird, was alles Schlimmes passieren kann und für alles ein Plan ausgeheckt wird. Ein Beispiel dafür ist, dass die Menschen hier abends noch spontan zu Freundinnen, Freunden oder zu Familie fahren. Sie denken nicht, es muss perfekt sein, um gut zu sein. Alles passiert mit viel mehr Ruhe. Das kann auch manchmal bei wichtigen Dingen etwas nerven. Am Ende klappt doch immer alles, ohne dass sie in Panik verfallen sind – und das ist das Wichtigste. Zum Schluss waren nämlich trotzdem alle Eltern glücklich und stolz auf das von den Kindern Vorbereitete.

Heilig Abend ,,Noche Buena“

Der Heilig Abend wird auch hier am 24. Dezember gefeiert. Wir sind erstmal ganz entspannt gestartet. Gegen Mittag haben wir uns dann auf den Weg zur Familie gemacht, denn auch in Paraguay ist Weihnachten ein Familienfest. Doch davor haben wir noch ein Abstecher zu einem Bekleidungsgeschäft gemacht, um die Kleidung für Weihnachten zu kaufen – eben sehr typisch für Paraguay – am Tag selber.

Bei der Familie angekommen wurde der restliche Nachmittag das Essen für den Abend vorbereitet. Nach dem Besuch eines Gottesdienstes wird gegessen. Ein typisches Essen an Weihnachten sind jede Menge verschiedene Sorten und Zubereitungen von Fleisch. Dazu gib es meist „Chipa Guasu“, ein herzhafter Kuchen, der aus Maiskörnern hergestellt wird und „Sopa paraguaya“ eine Art Maisbrot. Nach dem Essen wird vor den Krippen, die hier meistens den Tannenbaum ersetzen, gesungen und „Sidre“ getrunken. Um 0:00 Uhr wird dann Feurwerk gemacht, um die Geburt Jesu zu feiern. Erst dann wird frohe Weihnacht gewünscht.

Beschenkt werden Kinder und Erwachsene an diesem Tag nicht. Die Geschenke bringen hier die Heiligen Drei Könige am 6. Januar. Dann stellen die Kinder ihre Schuhe raus und hoffen auf Geschenke, wie in Deutschland am 6. Dezember.

In Paraguay wird nur der erste Weihnachtsfeiertag gefeiert. Diesen verbrachten wir am Pool und es wurde „Clerico“, ein Obstsalat mit Wein gegessen.

Welche Feste feiert man in Paraguay

Weder Weihnachten, noch Silvester – also ,,Año nuevo“ sind hier die wichtigsten Feste für die Menschen.

Sehr wichtig ist in Paraguay der Geburtstag. Ich durfte schon bei einigen dabei sein. Besonders bei Kindern und älteren Menschen werden sie ziemlich groß gefeiert. Die Geburtstagskinder werden mit viel Dekoration und großen Torten gefeiert.

Am Anfang fand ich es ziemlich überraschend, dass alle Geburtstage so groß gefeiert werden, aber ich finde es eine schöne Idee jedes neue Lebensjahr eines Menschen besonders zu feiern und nicht nur den 18ten oder die runden Geburtstage. Auch dass die Menschen nicht immer beschenkt werden, finde ich gut. Denn hier steht einfach der Mensch der Geburtstag hat im Mittelpunkt. Er freut sich über all die Freundinnen, Freunde und Verwandten, die kommen und mit ihm feiern.

Eine Tradition war für mich anfangs sehr komisch: Vor einer Taufe ist hier immer eine Beerdigung. Ich war zu einer Taufe eingeladen. Als die Menschen dann mit dem Sarg in die Kirche kamen, war ich erst einmal ziemlich geschockt. Für mich war es im ersten Moment absurd, dass zuerst die Menschen, die trauern in die Kirche kommen und danach Eltern, die über ein neues Leben glücklich sind. Aber letztendlich ist es für mich vollkommen verständlich und ein schöner Brauch, denn dabei wird deutlich: Für ein Leben das endet, kommt ein Neues.

Wie waren die Feiertage und Feste für mich?

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich mich zuerst gar nicht so auf Weihnachten gefreut habe und auch gar nicht so genau wusste, was auf mich zukommt. Die Traditionen und

Bräuche hier waren mir vollkommen fremd.

Wenn ich noch ein Weihnachten hier verbringen würde, wüsste ich worauf ich mich freuen könnte. Ich würde mich auf die bunt geschmückten Häuser und Bäume freuen, auf das Zusammensein in der Familie und besonders auf das Singen an der Krippe, das hier ganz anders als in Deutschland ganz fröhlich und laut ist und nicht besinnlich und still. So singen sie hier nicht „Stille Nacht“ sondern „Noche de Paz“ (Nacht des Friedens). Und genau für solche ganz anderen Erlebnisse mache ich einen Freiwilligendienst, um sich auf neue ganz andere Weihnachten freuen zu können. Um zu erleben, wie eine Weihnacht bei 30 Grad ist. Dazu gehören für mich auch die ,,Was passiert jetzt hier?“ Momente, wie bei der Taufe. Aber ich bin für all die Erfahrungen, die ich hier machen darf, sehr dankbar und kann es nur jeder und jedem empfehlen!

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One Response

  1. Bernd Kremser

    23. Januar 2019: Liebe Anna, es hat mich sehr gefreut, heute Deinen Bericht lesen zu können. Es ist ja immer interessant, wie andere Menschen auf anderen Kontinenten die Feste feiern aber auch wie es so im Alltag zugeht. Bei uns wird ja alles was geht geregelt und läuft dann in festen Bahnen. Dabei geht natürlich ein Stück Spontaneität verloren. Ich wünsch Dir noch eine gute Zeit und vielleicht hast Du nochmal Zeit für einen zweiten Bericht. Von Zeit zu Zeit schau ich immer mal auf der Seite nach, ob es was Neues gibt. Herzliche Grüße aus dem heute Morgen etwas weißen und kalten Bonn Bernd Kremser