Highlights meines Jamborees 2019

Erschienen am 30. August 2019 in Abenteuer Pfadfinden

Christian Schnaubelt

Christian Schnaubelt

Kommt aus dem Stamm „Anne Frank & Martin Luther King“ in Bochum-Harpen und ist Mitglied des DPSG-Medienteams sowie des Deutsches Medienteams beim 24. World Scout Jamboree 2019.

 

„Was war für dich das Besondere am Jamboree 2019“, wurde ich nach meiner Rückkehr aus den USA oft gefragt. Für Schnaubi war es schon das fünfte Jamboree. Hier erzählt er euch, von seinen Erlebnissen in den USA.

Spontan fallen mir zum diesjährigen Jamboree auf der einen Seite die Superlative ein: Die Arena-Events mit dem Gänsehautfeeling, gemeinsam mit 45.000 scouts und guides  – so viele wie noch nie bei einem Jamboree. Gastgeberinnen und Gastgeber, die das Jamboree (und sich) am Ende mit einem Mega-Feuerwerk und Lasershow (selbst) feierten. Das Jamboree-Gelände, auf dem ich 155,3 Kilometer oder 232.799 Schritte rauf und unter und kreuz und quer unterwegs war. Zudem die vielen Action und Adventure – Angebote für die Teilnehmenden, wie die ZIP-Lines, die über unseren Köpfen vorbeirasten.

Zum 24. Weltpfadfindertreffen hatten sich vom 22. Juli bis 02. August 45.000 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus über 150 Ländern in den USA versammelt. Unter den 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Deutschland (die unter dem Dach der Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadginderverbände als ein deutsches Kontingent zusammengeschlossen waren), hatten auch einige Georgspfadfinderinnen und Georgspfadfinder die ca 6.600 Kilometer lange Reise in die USA angetreten.

Auf der anderen Seite fallen mir bei einem zweiten, intensiveren Blick auf das „größte Jamboree ever“ auch kontroverse Punkte ein. Besonders kommen mir das in den Sinn:
die enorme Müllmenge, die produziert wurde oder
die Tatsache, dass mit den Action-Aktionen über die wenigen inhaltlichen Angebote hinweggetäuscht wurde, bis hin zum viel diskutierten Programmangebot „Schießen“.

Persönliches Fazit

Die positiven Erlebnisse sind viel größer als die (berechtigte) Kritik. Vor allem ist es die große Gemeinschaft, die ein Jamboree so einmalig macht. Wenn hier über 150 Nationen und verschiedene Religionen zwölf Tage friedlich zusammenleben konnten, warum nicht dauerhaft?

Ein Jamboree gehört für mich (trotz mancher inhaltlicher, ökologischer und finanzieller Kritik) zu den „life changing“-Events (m)eines Pfadfinderlebens.

Foto: Christian Schnaubelt

Jedes Jamboree setzt dabei seine ganz eigenen Akzente. Am stärkten bleibt für mich dabei das Jamboree in Thailand 2002/2003 in Erinnerung. Nicht nur wegen der stündlich wechselnden Neujahrsfeiern in unterschiedlichem Zeitzonen, sondern vor allem wegen des interkulturellen und Interreligiöser Austausches.
Das Jamboree 2007 in England war geprägte vom „Scouting Sunrise“-Jubiläum (100 Jahre Pfadfinden) und dem grandiosen „Black Magic“ Schwarzzelt-Bau, der gemeinsam von den deutschen Verbänden organisiert wurde. Nach dem großen und kommerziellen Jubiläums-Jamboree sollte das Jamboree in Schweden „back to nature“ werde, was auch 2011 gelang. Gleichzeitig wurden beim Jamboree in Schweden viele inhaltliche Akzente gesetzt und der Zusammenhalt der deutschen Teilnehmenden weiter gestärkt. Beim vorletzten Jamboree 2015 in Japan war es dann (endlich) soweit: Erstmals trugen allen deutschen Teilnehmenden die gemeinsame Ringekluft. Ein neues Wir-Gefühl entstand, welches sich bei diesem Jamboree 2019 in den USA  fortsetzte. Nach den regenreichsten Jamborees (England / Schweden), dem wärmsten und trockensten Jamborees (Thailand / Japan) war das Jamboree in den USA das flächenmäßig größte Jamboree mit den weitesten Wegen und den wildesten Tieren. Das Summit Bechtel Reserve-Gelände umfasst 57 Hektar und beherbergt Eichhörnchen, Waschbären, Rehe und Bären, die auch die Zelte besuchten.

Foto: Timo Willeke
Auch die neugierigen Bären haben einige Zelte besucht.
Foto: Timo Willeke

Besonders bleibt für mich in Erinnerung, dass beim Jamboree 2019 erstmals das deutsche Kontingent das zweijährige „Abenteuer Jamboree“ komplett unter dem Dach von Pfadfinden in Deutschland durchgeführt hat und aus den einzelnen Verbänden „ein“ gemeinsames deutsches Kontingent wurde. Und dieses German Contingent hatte mit dem German Food and Culture House – eine sehenswerte mehrgeschossige Jurtenburg – nicht nur „ein Stück Heimat In der Ferne“, sondern auch einen starken Botschafter für deutsche Schwarzzelt – Kultur.

Zeichen setzen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Wie sieht es mit dem Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz bei einem solchen Großevent aus? War der Bundeszeltplatz der Boy Scouts of America wirklich ein Vorreiter in „Sustainibility“, wie vorher angekündigt?
Als eines von nur einer Hand voll Jamboree-Kontingente ist die petrolfarbene Ringekluft und das bordeaux rote rdp-Halstuch nachhaltig produziert. Die Kluften tragen das Fairtrade-Siegel und sind aus Bio-Baumwolle gefertigt.
Mit mehreren Programmangeboten hat das deutsche Kontingent auf dem Jamboree die Themen fairer Handel und Nachhaltigkeit präsentiert. Dazu gehörte im Global Development Village (GDV) auch das „Fairtrade Scouts“–Projekt der DPSG.
Außerdem organisierten deutsche Units spontan eine „fridays for future“-Demonstration, an der mehrere Hundert scouts und guides aus verschiedenen Ländern teilnahmen. Damit setzten sie ein eindrucksvolles Zeichen für den Klimaschutz.
Der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Kimoon rief die Pfadfinderinnen und Pfadfinder in seiner Rede auf der Jamboree–Closing Ceremony zu einem nachhaltigeren Umgang mit dem Planeten auf: „Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Planeten B haben. Ihr seid die Zukunft.“

Die Jamborees an denen ich teilnehmen durfte, haben mich stark geprägt. Sie haben meine Lust auf Internationale Begegnungen und Events erst so richtig geweckt. Für die einmaligen Erlebnisse und die guten Weggefährten bin ich sehr dankbar und möchte meine Jambo-Erfahrungen gerne weitergeben.

Deutsch-Französische Freundschaft und das Jamboree

Warum gibt es eigentlich eine so enge Freundschaft zwischen deutschen und französischen Pfadfinderinnen und Pfadfindern bei einem Jamboree?
Alles begann mit dem „Friedens-Jamboree“ 1947 in Frankreich. Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges luden französische Pfadfinder deutsche Pfadfinder zu einer Versöhnungsfeier ein.
72 Jahre nach dem Jamboree in Moisson knüpfte die Freundschaftsfeier beim Jamboree 2019 daran an und stand ganz im Zeichen der seither weiter gewachsenen deutsch-französischen Verbundenheit.

Im „Summit Bechtel Reserve“ in den Wäldern von West Virginia hatten auch die Pfadfinder Simon Baumbach (links) und Vincent Volmerding (rechts) aus dem Stamm Altenbochum in Bochum ihre Schwarzzelte beim größten Zeltlager der Welt aufgeschlagen. Und waren damit eine große Ausnahme: Denn außer den Schwarzzelten bestand der Rest der Jamboree – Zelte leider aus Plastikzelten im Einheitslook.
Christian hat mit Simon und Vincent über ihre Erfahrungen gesprochen. Im Interview hört ihr, wie es ihnen gefallen hat.
Foto: Christian Schnaubelt
Foto: Christian Schnaubelt

Bilder, Videos und die JAMBO-LIVE-Videopodcasts findet ihr auf: www.worldscoutjamboree.de sowie auf Facebook, Instagram, Twitter und YouTub, unter dem Hashtag #wsjrdp und #ScoutJamboree.

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