Ich hätte nie gedacht, dass ich mich hier so schnell einlebe!

Erschienen am 5. September 2019 in Abenteuer Pfadfinden

Jula Wolf

Jula Wolf

Jula Wolf ist Mitglied im Stamm Dortmund-Husen. 2019/2020 macht sie mit der DPSG einen Freiwilligendienst im Büro der Scouts South Africa.

 

Hallo liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder der DPSG,

ich bin Jula und habe vergangenen Monat meinen Freiwilligendienst mit der DPSG und Adveniat in Südafrika gestartet.

Seit 2007 bin ich nun Mitglied der DPSG in Dortmund-Husen. Das bedeutet: Jede Woche Gruppenstunde mit meinen Freundinnen und Freunden, jedes Jahr Sommerlager, Stammeslager und Stufenaktionen. Das ist das, was für mich all die Jahre Pfadfinden ausmachte.

Seit dem 4. August 2019 bin ich nun in Kapstadt bei den SCOUTS South Africa. In meinem ersten Monat habe ich schon so viel gesehen, erlebt und gelernt.
Pfadfinden ist so viel mehr als das, was es für mich all die Jahre war.
Das Pfadfinden hier hat so viele Ähnlichkeiten mit dem, was ich von zu hause kenne, aber es ist eben doch komplett anders!

Ihr seid neugierig wie das Pfadfinden in Südafrika so abläuft?
In diesem Beitrag möchte ich meine ersten Pfadfindererlebisse hier in Kapstadt mit euch teilen.

Die Pfadfindergruppen

Aussicht vom Cecilia Forest auf Kapstadt

Schon bevor ich überhaupt hier angekommen bin, hatte meine Gastmutter Karen, mich in die Pfadfindergruppe meines Gastbruders Alick integriert.
Alick ist 16 Jahre alt und ein Pfadfinder in 1st Claremont, einer der vielen Pfadfindergruppen hier in der Umgebung.

An meinem ersten Donnerstag hier in Kapstadt ging ich mit Alick in die „Scout Hall“. Dort freuten sich alle sofort mich kennenzulernen. David, der Leiter der Gruppe nahm mich direkt mit in den Leiterinnen- und Leiterraum, stellte mich allen vor und erklärte mir das Programm für den Abend.
Ich war so begeistert, und bin es auch immernoch, wie herzlich ich von Anfang an aufgenommen wurde und ich fühlte mich direkt wohl.

Diese ersten Minuten mit den Pfadfinderinnen und Pfadfinder in Claremont haben das bestätigt, was ich von klein auf bei den Pfadfindern gelernt habe: Alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder auf dieser Welt sind Schwestern und Brüder!

Trotz der tollen Begrüßung fühlte ich mich erst einmal fremd und verloren, denn die Begrüßungszeremonie zu Beginn der Gruppenstunde war ganz anders als in Deutschland.
Alle Pfadfinderinnen und Pfadfinder trugen ihre Uniform und standen in einem Kreis nach „Patrols“ sortiert ganz ruhig und gerade vor den Leiterinnen und Leitern. Gemeinsam wurde die Flagge gegrüßt. Alle machten den Pfadfindergruß und salutierten. Im ersten Moment war ich wirklich geschockt wie ernst diese Zeremonie genommen wird. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt, auch wenn ich sie immernoch nicht wirklich ernst nehmen kann. Auf mich wirkt diese Zeremonie zwar militärisch, aber ich verstehe, dass es auch etwas Wertvolles hat. Die Kinder lernen so Disziplin und die Zeremonie stärkt die Gemeinschaft.

Jede Gruppenstunde hier hat ein Thema, an welchem sich das Programm orientiert. Dazu gibt es dann passende Spiele, Übungen und Lerneinheiten. Verglichen zu den Gruppenstunden in meinem Stamm in Dortmund, sind die Gruppenstunden hier viel organisierter, und das Ziel etwas zu lernen wird viel ernster genommen. Ich bin total beeindruckt, was die Scouts hier alles lernen und freue mich jedes Mal, wenn auch ich dadurch etwas Neues lerne.

Das Pfadfinderbüro „SCOUTS South Africa National Office”

Das Pfadfinderbüro

Wisst ihr, wie die Pfadfinderinnen und Pfadfinder der DPSG auf nationaler Ebene arbeiten? Genau, da gibt es das Pfadfinderbüro (Bundesamt) in Neuss. Dort arbeiten sie an der Verwaltung der DPSG, an gemeinsamen Lagern, der Website, dem Rüsthaus Shop und so weiter.
So ein Büro gibt es auch hier in Kapstadt und dort arbeite ich während meines Freiwilligendienstes.

Bereits am 5. August hatte ich meinen ersten Arbeitstag.
Mein Gastvater Stefan fuhr mich mit dem Auto zum Office, weil es regnete. Dort wurde ich super lieb empfangen. An meinem Schreibtisch hängt heute noch das Schild „Welcome Jula“, welches meine Arbeitskolleginnen und –kollegen für mich gestaltet haben.

Hier im Office gibt es ganz verschiedene Arbeitsbereiche, in welche ich schon reinschnuppern durfte. Um euch einen kleinen Einblick zu geben, stelle ich euch ein paar der Bereiche vor.

Der Scoutshop

Yolanda arbeitet im Scoutshop. Ich helfe ihr oft dabei Bestellungen zusammenzustellen, die Regale mit Kleidung aufzufüllen oder Lieferungen zu checken.

Mein Schreibtisch steht in einem Gemeinschaftsbüro mit Elearnor, Charmaine, Sam und Paul. Paul ist auch ein Freiwilliger der DPSG und ist letzte Woche hier in Kapstadt angekommen.

Neben mir sitzt Eleanor, die sich um alle administrativen Aufgaben der Region Western Cape kümmert. Sie organisiert zum Beispiel die Anmeldung für Leitungskurse und Pfadfinderaktionen.
Charmaine ist für die Buchhaltung zuständig. Ihr habe ich beispielsweise dabei geholfen, die Rechnungen der letzten Monate nach Region der Pfadfindergruppe und nach Datum zu sortieren.
Sie arbeitet viel mit Nicky zusammen, die im Büro nebenan sitzt und der „Financial Manager“ der SCOUTS South Africa ist.

Mir gefällt die abwechslungsreiche Arbeit super gut und mit meinen Kolleginnen und Kollegen verstehe ich mich fantastisch. Ich arbeite gerne mit ihnen zusammen und quatsche zwischendurch gerne mit ihnen.
Am Freitag hatte Yolanda Geburtstag und heute hat sie für uns alle Kuchen mitgebracht, mmmmhhhh!

Scouting in Schools

Kapstadt ist eine super große Stadt mit ganz vielen verschiedenen Regionen. Leider gibt es auch die armen Viertel der Stadt. Diese Regionen heißen Townships. Die Menschen dort leben in sehr einfachen und armen Verhältnissen. Oft gibt es kriminelle Vorfälle. Die Schulen in den Townships sind staatliche Schulen, die keinen guten Ruf haben. Die Schülerinnen und Schüler, die sie besuchen haben schlechte Berufschancen.

Mein täglicher Heimweg

Die SCOUTS South Africa haben es sich zur Aufgabe gemacht, in diesen Townships zu helfen, denn schließlich ist es das Motto der Pfadfinderinnen und Pfadfinder, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Seit 2016 gibt es das Projekt Scouting in Schools. Arbeitslose junge Erwachsene, die bereits die Schule abgeschlossen haben, werden zu Pfadfinderleiterinnen und -leiter (Interns genannt) ausgebildet. Sie eröffnen dann Pfadfindergruppen in den Schulen, sodass die Kinder nach dem Unterricht die Möglichkeit haben zu den Pfadfindern zu gehen.

Jeden Freitag treffen sich die Interns mit Ahmad und Athi, die das Projekt leiten. Gemeinsam planen sie dann Gruppenstunden, sprechen über Probleme und planen Camps.
An diesen wöchentlichen Treffen habe ich schon zweimal teilgenommen.

Mein erstes Pfadfinderlager

Der regnerische Sonntat in Hawequas

Gerade war ich erst angekommen, da ging es direkt für mich aufs das erste Pfadfinderlager. Gemeinsam mit Jonathan, David und Susan, die bei den 1st Claremont Scouts leiten, fuhr ich an meinem ersten Wochenende in Südafrika nach Hawequas zum Pfadfinderzeltplatz.
Dort fand die jährliche „Gordon’s Shield Competition“ statt.

Gordon’s Shield Competition
Das ist ein Wettbererb, bei dem verschiedene Pfadfindergruppen mit je 8 Pfadfinderinnen und Pfadfindern gegeneinander in verschiedenen Disziplinen antreten.

Hawequas

Mit ungefähr 20 weiteren Leiterinnen und Leitern, gehörte ich zum Team der Judges (Richterinnen und Richter). Wir bewerteten die Aufgaben der Scouts. Es wurden aber nicht nur Skills (Fähigkeiten und Kenntnisse) bewertet, sondern zum Beispiel auch die Lagerbauten der Gruppen, die Uniformordnung und das Abendessen, welches jede Gruppe kochte.

Das Bewerten des Abendessens war eine meiner schönsten Erfahrungen an diesem Wochenende.
Mit meinem Teller ging ich zu der Pfadfindergruppe, die mir zugeteilt wurde. Dort konnte ich mit den Kindern zusammen Abendessen.
Die Atmosphäre in dem Team war super schön. Wir beteten gemeinsam bevor wir aßen, jede und jeder bedankte sich jeweils bei dem, die oder der das Essen zubereitet hatte und alle unterhielten sich. Es fühlte sich wie eine kleine Familie an. Ich war unglaublich beeindruckt davon, mit wie viel Respekt die Pfadfinderinnen und Pfadfinder miteinander umgegangen sind.

Beim Gordon’s Shield wurden zum Beispiel der Spaghetti-Knoten bewertet.

Meine andere schönste Erfahrung war es, so viele nette Leute kennenzulernen. Alle Judges waren super nett und mit einigen habe ich mich mittlerweile schon wirklich angefreundet, sodass ich außerhalb der Pfadfinder mit ihnen schon unterwegs war.

Ich könnte noch von viel mehr Pfadfindererlebnissen berichten. Von der Leiterinnen- und Leiterausbildung, den Wölflingsgruppenstunden oder vom Quizabend … Aber das würde wohl viel zu viel werden.
Ich bin super beeindruckt von den Pfadfinderinnen und Pfadfindern hier in Kapstadt. Auch wenn es so anders ist als zu Hause, hat das Pfadfinden einfach etwas Vertrautes.
Ich habe mich noch nicht einmal alleine gefühlt, seit ich hier bin. Ich freue mich, wie herzlich mich alle aufgenommen haben und dass ich jetzt schon Freundinnen und Freunde gefunden habe.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich hier so schnell einlebe!

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One Response

  1. Freiwilligendienst mit der DPSG 2019/2020 « blog.dpsg.de

    5. September 2019: […] Zu Julas Blog-Beitrag von August: […]