Dezember in Südafrika

Erschienen am 20. Januar 2020 in Abenteuer Pfadfinden

Paul Polta

Paul Polta

Paul Polta verbringt seinen Freiwilligendienst mit der DPSG in Kapstadt im National Scout Office der südafrikanischen Pfadfinderschaft.

 

Im Dezember konnte ich bisher die meisten positiven Eindrücke sammeln. Warum? Das erzähle ich euch gerne.

Zunächst das Offensichtliche: Bisher war der letzte Monat des Jahres für mich von hereinbrechender Kälte, Weihnachtsvorbereitungen, besinnlichen Feiertagen und Schnee geprägt. In Kapstadt ist aber gerade Sommer. Und so standen in diesem Monat für mich Weihnachten, Silvester und Sommerurlaub gleichzeitig an.

Sommerlager im Dezember

In dieser Zeit bin ich in Südafrika herumgekommen, zum Beispiel am „Eastern-Cape“. Das ist eine Küstenregion, östlich von Kapstadt, die früher Transkei hieß. Dort fand das diesjährige Sommerlager meiner Pfadfindergruppe 2nd Rondebosch statt.

Unser Abenteuer begann in Port St. Johns. Wir planten, jede Nacht in einem anderen Dorf zu verbringen und bei einer lokal ansässigen Familie zu wohnen. Auf diese Weise bekamen wir jeden Abend einen neuen Einblick in die im „Eastern Cape“ vorherrschende „Xhosa-Kultur“ und die lokale Küche. Unsere kulinarischen Erfahrungen waren vielfältig: von frisch gesammelten Muscheln über kurz zuvor geschlachtete Ziege und viel Maisbrei.

Abends lernten wir eine neue Familie kennen. So konnten wir unterschiedlich gelebte Traditionen, wie spontane Tänze oder die Wirkung verschiedener Heilkräuter erleben. Das war für mich ein besonderes Erlebnis: bisher hatte ich nur Kapstadt als Sichtfenster auf Südafrika. Deshalb war es für mich ein besonderes Erlebnis, einen Einblick zu bekommen, wie es bei einem Großteil des Landes aussieht.

Fünf Tage lang wanderten wir, jeden Tag rund 20 bis 30 km. Währenddessen klärte uns unser Guide Sine über die verschiedenen Pflanzen und Felsformationen auf unserem Weg auf, sowie auch über verschiedene Farben von Kühen, ihren Wert und ihre Ahnen-Geschichte etc..

So sollte uns das Ost-Kap auf seine Weise seine eigene Schönheit offenbaren: an Tagen voller Sonnenschein oder auch im Regen. Letztendlich hat mir dieser Hike und Sines Art uns seine Welt zu zeigen, die Augen für eine völlig neue Natur geöffnet. Ich dachte auch nie, dass ich jemals Kühe sehen werde, die im indischen Ozean stehen und ihren Tag am Strand verbringen.

Im Anschluss an den Hike verbrachten wir noch vier Tage in Coffee Bay, um zu zelten. Die Zeit im Camp verbrachten wir mit weiteren kleinen Wandereinheiten. Außerdem hatten wir die Gelegenheit zu surfen und viel Zeit, um uns zu erholen.

Während des Camps brachte ich immer wieder deutsche Mahlzeiten auf den Speiseplan, wie Wurstsalat oder Bauernfrühstück. Das fand auch für mich einen überraschend großen Anklang.

Kurzum – wir verbrachten die meiste Zeit damit, von Strand zu Strand zu wandern, um einen kompletten Überblick über die Landschaft zu bekommen.

Das Camp gab mir eine gute Gelegenheit, einen besseren Einblick in die Pfadfinderarbeit Südafrikas zu bekommen. Ein solches Verständnis erhält man in der Theorie so nicht.

Weihnachten mit Surfbrett und Knödel

Zurück in Kapstadt erwartete ich eigentlich, von einem Schwall aus Weihnachtsstimmung überrumpelt zu werden.

Doch das Gegenteil war der Fall: dieses Weihnachten war das erste, wo ich das Fest als solches nicht erkannt habe. Zwar gab es eine Weihnachtsfeier mit der Gastfamilie und mit Freundinnen und Freunden, wie in Deutschland, doch es war ein ganz anderes Erlebnis.
Der Heiligabend scheint hier nicht dieselbe Bedeutung zu haben, wie in Deutschland. Beispielsweise werden die Geschenke erst am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages übergeben und geöffnet – in etwa wie in Amerika. Außerdem beschlossen mein Pfadfinderfreund Tony und ich, an beiden Weihnachtsfeiertagen surfen zu gehen.
Ein solches Weihnachten habe ich bisher auch noch nicht erlebt.

Natürlich gab es auch mit den südafrikanischen Gruppenleiterinnen und -leitern eine Weihnachtsfeier. Dafür ließ ich mich überreden, etwas typisch „Deutsches“ in der Weihnachtszeit zu kochen. Ich entschied mich für Semmelknödel – in der Hoffnung, damit nicht viel falsch machen zu können. Ein paar Stunden und auch ein paar Telefonate mit meiner Mutter zum Thema: „Wie mache ich das??“, gab es gelungene Knödel. Später am Abend gab es dann ein schönes Zusammensein.

Das Scout-Office war über die Feiertage geschlossen. Deshalb verbrachte ich den Rest des Dezembers und den Anfang des neuen Jahres mit meiner Gasfamilie in einem kleinen Ferienhaus in Sedgefield. Sedgefield ist ein kleines Städtchen an der Westküste.

Hier erwartete mich eine perfekte Mischung aus Lesen, Schwimmen und Mountainbiken. Auch war es sehr schön noch einmal einen besseren Einblick in das Familienleben meiner Gastfamilie zu bekommen. Besonders für mich als Einzelkind war es sehr schön mit meinen zehnjährigen Gast-Drillingen und meiner Gastschwester Zeit zu verbringen.

Silvester mal anders

Silvester zählt zu den regulären Highlights meines Jahres. Dieses verbrachte ich zusammen mit Jula (meiner Mitfreiwilligen) und unseren südafrikanischen Freundinnen und Freunden, in der Nähe von Knysna.
Es überraschte mich, dass um Mitternacht keine Raketen und Lichter am Himmel zu sehen waren. In Südafrika ist nämlich privates Feuerwerk illegal und verboten.

Ich hatte hier nun auch viel Zeit, um auf das vergangene halbe Jahr zurückblicken. Ich habe bereits so viele Dinge gesehen und erlebt und bin von so vielen tollen Menschen umgeben,  wie ich dies nie erwartet hätte. Der Freiwilligendienst ist nicht nur ein Jahr fernab der Heimat, sondern vielmehr der Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

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