Bundesroverlager „Raava“ in Uruguay

Erschienen am 12. März 2020 in Abenteuer Pfadfinden

Miriam Steindorff

Miriam Steindorff

Miriam ist zurzeit als Freiwillige in Santa Cruz (Bolivien). Sie ist Roverin im Stamm Max Kolbe (Nürnberg).

 

Halt – stand da nicht gerade „die Freiwillige in Bolivien“? Und jetzt steht da „Uruguay“, das ist doch ein Fehler, oder? Nein, denn im Freiwilligendienst hat man ja auch Urlaubstage und diese habe ich im Januar für ein Roverzeltlager in Uruguay verwendet. Unterwegs war ich mit zwei Freunden aus meinem Stamm in Bolivien. Neben mir und meinen zwei Freunden aus Bolivien nahmen 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Uruguay, einer aus Argentinien und einer aus Bolivien teil.

Bundesroverlager „Raava“ in Uruguay

Lager im Wald

Überraschend war für mich, dass das ganze Lager auf einem Waldstück stattfand – für ein Bundeslager der DPSG unvorstellbar! Die Helferinnen und Helfer hatten im Vorlager fleißig Büsche und Sträucher entfernt, sodass die (Plastik-) Zelte zwischen den Bäumen aufgeschlagen werden konnten. Zugegeben, für die „Plaza“ und einige Orgazelte mussten auch ein paar (kleinere) Bäume weichen. Doch von außen konnte man wirklich bis auf wenige Meter herangehen, ohne zu erahnen, dass sich in dem Waldstück ein Zeltlager verbirgt!

Zelte mitten im Wald

Doch nicht nur der Lagerplatz hat mich fasziniert, auch die gesamte Umgebung. Unser Waldstück lag nämlich im Nationalpark Santa Teresa. So waren es zum Badestrand nur zehn Minuten. Für mich aus Süddeutschland ein absolutes Highlight. Zeltlager kombiniert mit Strandurlaub: Was für ein Luxus!

Lager mit Strand

Neben der Zeit am Meer machten wir auch eine Wanderung in einem Naturschutzgebiet und eine Kajaktour durch die schwarze Lagune. An einem anderen Tag haben wir ganz nach dem Motto „jeden Tag eine gute Tat“ den nahegelegenen botanischen Garten auf Vordermann gebracht. Neben Unkraut rupfen und Sträucher pflanzen konnten wir eine breite Auswahl an Pflanzen aus der ganzen Welt – besonders aus Uruguay – bestaunen. Weitere Programmpunkte waren Workshops wie Body Painting, Erste Hilfe, Akrobatik oder Spiele und Debatten zu den Themen Umwelt, Feminismus, Minimalismus und geistige Gesundheit.

„Fogon“: Tanz am Lagerfeuer

Ein besonderes Erlebnis war der sogenannte „Fogon“: Ein Abend mit Lagerfeuer, aber ohne Singen, sondern mit „Tanzen“. Es handelte sich aber nicht um traditionelle Tänze, sondern Pfadfindertänze, bei denen alle in einem Kreis stehen. Entweder werden dann nach und nach alle in die Mitte geholt, wie zum Beispiel beim in Deutschland bekannten „Big fat pony“. Oder aber es machen einige Personen in der Mitte des Kreises Dinge vor, die außen nachgetanzt werden. Das Beeindruckende war für mich die enorme Anzahl verschiedener Tänze. Der Abend wollte einfach nicht zu Ende gehen, weil jedes Mal noch jemand mit einem neuen Tanz in die Kreismitte kam!

Echte Gemeinschaft trotz Pannen beim Essen

Am meisten beeindruckt hat mich die Gemeinschaft. Obwohl ich als einzige Deutsche natürlich irgendwie einen Sonderstatus hatte, fühlte ich mich direkt als Teil der Gruppe, alle waren immer super nett, hilfsbereit und neugierig. Auch in meinem „Dorf“ spürte ich die Gemeinschaft. Wir haben immer zusammen gekocht. Direkt am ersten Abend ist leider der gesamte Herd über dem Feuer mitsamt unserer Nudeln umgekippt, weshalb es dann Brot mit Tomatensoße gab. Wir fanden das aber alle irgendwie lustig und das Brot war echt lecker! Die nächsten Tage hat das Kochen sehr gut geklappt, außer dass einige Pfannen mit Öl Feuer gefangen haben. Zum Glück hat das genauso wenig wie der umgekippte Herd einen Waldbrand ausgelöst. Besonders schön fand ich, dass wir nie einteilen mussten, wer was macht, sondern sich immer Freiwillige gefunden haben. Trotzdem hat sich niemand beschwert, er hätte zu viel geleistet. Denn jeder und jede konnten sich Pausen nehmen, wann sie wollten.

Kochen auf improvisiertem Herd

Nachhaltigkeit im Lager

Besonders cool fand ich, dass das Lager offiziell als nachhaltig ausgeschrieben war! Jeder sollte Tupperdosen mitbringen, in denen wir täglich unsere Essensrationen von der Küche abholten, um Plastikverpackungen zu vermeiden. Brot und Gemüse transportierten wir außerdem in Jutebeuteln. Auch auf Mülltrennung wurde sehr geachtet. Weiterhin haben relativ viele Teilnehmende vegetarisch gegessen, darunter auch ich, und die Gerichte ohne Fleisch waren kreativ und lecker. Das habe ich sehr genossen, denn nach sechs Monaten in Bolivien mit traditionell sehr fleischlastigem Essen war das eine gelungene Abwechslung.

Insgesamt war „Raava“ also ein super Lager mit einem tollen Zusammenhalt und vielen neuen Freunden und Freundinnen, die ich jetzt natürlich schon etwas vermisse. Hoffentlich kann ich einige von ihnen beim Rover Moot in Irland wiedersehen! Bis dahin bin ich aber noch weiterhin hier in Bolivien (jetzt wirklich) und genieße das Obst, die Wärme und die Arbeit mit den Kindern!

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