Lebensmittel im Pfadfinder*innenalltag – Ohne Wenn und Abfall?

Erschienen am 17. Dezember 2020 in Ökologie

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Von Franziska Zumbrägel und Michaela Voss, Jahresaktionsgruppe „No Waste! Ohne wenn und Abfall

In der Gruppenstunde, auf dem Hijk, im Zeltlager – uns Pfadfinder*innen begegnen Lebensmittel oft an Orten ohne die klassische Küche und ohne Kühlschrank. Zum Einkauf, zur Lagerung und Zubereitung gibt es viele Dinge zu beachten, damit wir und unsere Schützlinge satt werden und dabei gesund bleiben. Wir haben an uns selbst den Anspruch, dabei möglichst wenig Abfall zu produzieren – und zwar sowohl wenig Verpackungsmüll als auch wenig Lebensmittelabfall.

Doch wie muss ich Lebensmittel in der Zeltlagerküche aufbewahren? Was kann ich im Zeltlager ungekühlt lagern? Und kann das neue Coronavirus eigentlich über Lebensmittel übertragen werden?

Über all diese und noch weitere Fragen rund um das Thema Lebensmittelhygiene haben wir mit Dr. med. vet. Niels Bandick gesprochen. Er arbeitet im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als Leiter der Fachgruppe “Lebensmittelhygiene und -technologie, Warenketten, Produktschutz”.

Allgemeines über Krankheiten, die über Lebensmittel übertragen werden

Welche Krankheitserreger können über Lebensmittel übertragen werden?

Wenn von Krankheitserregern gesprochen wird, ist die Rede von den sogenannten belebten Gefahren, damit sind Parasiten, Bakterien und Viren gemeint. Diese Mikroorganismen haben krankmachende Eigenschaften, die eine oder mehrere bestimmte Krankheitsbilder hervorrufen können. Daneben gibt es noch die Verderbniserreger, Mikroorganismen, die Lebensmittel z.B. bei Überlagerung ungenießbar machen können.

Kann das neue Coronavirus über Lebensmittel übertragen werden?

Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege. Allerdings können Schmierinfektionen über Oberflächen nicht ausgeschlossen werden, die zuvor mit Viren kontaminiert wurden.

Ist Händewaschen oder Desinfizieren besser, wenn man im Zeltlager kocht?

Foto: Couleur auf Pixabay

Das BfR sieht auch in der aktuellen Situation keine Notwendigkeit bei gesunden Menschen, Hände zu desinfizieren. Normale Hygienemaßnahmen wie häufiges und richtiges Händewaschen mit Seife schützt ausreichend vor einer Schmierinfektion mit SARS-CoV-2.

https://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_nutzen_und_risiken_von_desinfektionsmitteln_im_privathaushalt-190275.html.

Sofern im Zeltlager keine Möglichkeit zum Händewaschen besteht, kann unterwegs auf Reinigungstücher bzw. ein alkoholisches Händedesinfektionsmittel zurückgegriffen werden. Dabei ist unbedingt auf die Auswahl eines geeigneten Mittels sowie auf die Produkthinweise der Hersteller zur richtigen Anwendung, insbesondere die richtige Dosierung und Einwirkzeit, zu achten. Die Desinfektionsmittel müssen gegen Viren (der Wirkungsbereich wird bezeichnet als: „Viruzid“, „begrenzt viruzid PLUS“ oder „begrenzt viruzid“) wirksam sein.

Muss ich etwas beachten, wenn ich mir die Hände desinfiziere und im Anschluss mit Lebensmitteln hantiere/ verarbeite?

Die meisten Desinfektionsmittel enthalten Duftstoffe. Vor der Verarbeitung von Lebensmitteln sollte die vom Hersteller vorgeschrieben Einwirkzeit zum einen im Hinblick auf die Wirksamkeit und zum anderen hinsichtlich der Vermeidung einer geschmacklichen Beeinträchtigung der Lebensmittel eingehalten werden.

Einkaufen

Foto: DPSG-Stamm Heilige Engel Hannover

Sind einwegverpackte Lebensmittel (z.B. Fleisch und Wurst) sicherer als solche von der Kühltheke, die in eine mitgebrachte Dose verpackt werden?

Dass Lebensmittel in Fertigpackungen grundsätzlich gesundheitlich unbedenklicher sind, lässt sich pauschal nicht sagen. Auch Lebensmittel aus der Kühltheke sind als gesundheitlich unbedenklich anzusehen. Wenn die mitgebrachte Dose vorher gründlich gereinigt wurde und hygienisch ist, kann die unterschiedliche Verpackung als gleichwertig angesehen werden.

Worauf muss ich achten, wenn ich selbst Dosen zur Kühltheke mitbringe?

Wichtig bei den selbst mitgebrachten Verpackungen für lose abgegebene Lebensmittel ist die hygienische Aufbereitung der Gefäße vor der Verwendung. Ratsam ist die Reinigung in einer Geschirrspülmaschine. Dafür ist es grundsätzlich erforderlich, dass die Gefäße komplett aus spülmaschinentauglichen Materialien hergestellt sind, eben entsprechend beschriebene Kunststoffe oder z. B. Edelstahl, einschließlich der eventuell notwendigen Dichtungen. Des Weiteren sollten bei der Reinigung Spülprogramme mit möglichst hohen Temperaturen genutzt werden (keine sogenannten Öko-Programme).

Ist einwegverpacktes Gemüse hygienischer und/ oder besser haltbar?

Auch einwegverpacktes Gemüse sollte insbesondere vor dem Rohverzehr gründlich gewaschen oder geschält werden. Allerdings kann das auf der Fertigpackung aufgedruckte Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) einen Hinweis auf die noch vorhandene Frische des Gemüses geben.

Was genau bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt in Verbindung mit den vom Lebensmittelhersteller vorgegebenen Lagerungshinweisen den Zeitpunkt an, bis zu dem das Lebensmittel mindestens ohne wesentlichen Qualitäts- und Geschmacksverlust sowie gesundheitliche Gefährdung verzehrt werden kann.

Zeltlagerküche

Foto: MAMPF e.V.

Wie muss ich Lebensmittel in der Zeltlagerküche aufbewahren? Welche Lebensmittel kann ich im Zeltlager auch ungekühlt lagern? Welche Lebensmittel sollte ich in Zeltlagern vermeiden?

Die Lebensmittel in der Zeltlagerküche sollten grundsätzlich so aufbewahrt werden, dass sie vor einer nachteiligen Beeinflussung geschützt sind, das heißt z. B. nicht verschmutzen, nicht feucht werden, von Nagern angefressen werden können oder großer Wärme ausgesetzt sind und dadurch verderben. Hierfür eignen sich besonders trockene Lebensmittel wie Reis und Nudeln sowie Obst und Gemüse und natürlich Vollkonserven, die nicht gekühlt werden müssen. Vermieden sollten alle Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, insbesondere frisches Fleisch und Geflügelfleisch, Fisch und Produkte aus rohem Ei sowie Produkte, die solche Komponenten enthalten. Geeignet sein können lang gereifte Rohwürste wie Salami oder Hartkäse.

Was muss ich beachten, damit ich übrig gebliebene Lebensmittel zur nächsten Mahlzeit wieder als Reste ausgeben darf?

Wenn in der Lagerküche keine Kühlmöglichkeit zur Verfügung steht, ist es nicht gewährleistet, dass auch die wieder erhitzten Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich sind. Einige Mikroorganismen sind bei fehlender Kühlung in der Lage, Toxine zu bilden, die auch durch ein erneutes Aufkochen nicht inaktiviert werden und schwere Lebensmittelvergiftungen hervorrufen können. Deshalb sollten Reste nicht nochmals zubereitet und ausgegeben werden.

Foto: MAMPF e.V.

Worauf sollte ich achten, wenn ich draußen gemeinsam mit Kindern koche?

Bei der Auswahl der Zutaten sollten die genannten Kriterien für sichere Lebensmittel beherzigt und die Gerichte immer gut durchgegart werden.

Unterwegs in der Natur

Foto: DPSG-Stamm Heilige Engel Hannover

Was muss ich beachten, wenn ich unterwegs Kräuter (z.B. Löwenzahn von der Wiese) und Wildbeeren (z.B. Brombeeren vom Waldrand) direkt aus der Natur essen möchte?

Gerade, wenn keine Möglichkeit besteht, Kräuter und Wildbeeren gründlich zu waschen, sollten diese nur ausreichend gegart verzehrt werden. Besonders bodennah wachsende Pflanzen können eine große Zahl Mikroorganismen auf ihrer Oberfläche haben, sodass die Gefahr einer Erkrankung nach dem Verzehr groß ist.

Bei welchen Lebensmitteln muss ich besonders gut aufpassen, wenn ich sie als Lunchpaket für einige Stunden ungekühlt in meinem Rucksack mitnehme?

Hier gelten alle Angaben, die bereits zuvor gemacht wurden: Lebensmittel tierischen Ursprungs sind eher problematisch.

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